Sagen oder nicht sagen – das ist hier (nicht) die Frage

„Du bist die Erste die mich drauf anspricht.“ „Du bist die Erste, die in allen Jahren deswegen nachgefragt hat.“ Sätze wie diese höre ich immer wieder. Weil ich anders bin als die meisten anderen. Ich SAGE nämlich meistens was ich mir denke (in Bezug auf Menschen die ich neu kennenlerne).  Ich spreche es direkt an, wenn jemand kein Deo zu benutzen scheint, etwas zwischen den Zähnen hat oder so wie neulich, die Sache mit der Stimme:

Unlängst hatte ich ein kurzes Telefonat mit einem neuen Interessenten für ein Kennenlerntreffen. 22 Jahre jung, schreibt wundervolle E-Mails, und dann kam die Ernüchterung: Seine Art zu sprechen: zu 90% ziemlich monoton. Brummstimme ohne Höhen und Tiefen, alles in einer Tonlage. Klang sehr desinteressiert und fiel stimmlich für mich in die Kategorie „Langweiler“. Man glaubt ja gar nicht, was die Stimme, der Tonfall und die Art zu sprechen alles bewirken kann – im Positiven wie im Negativen.

Und als sich mein krampfiges Bauchgefühl deswegen fortwährend meldete, musste ich es ansprechen, ich hätt es sonst nicht ausgehalten. Er gab zu meistens so zu reden, aber ihm sei dieses „Monotone“ selbst schon aufgefallen. Na immerhin. 🙂 Und er meinte eben auch, dass ich die Erste sei, die ihn drauf anspricht. Aber wohl nicht verwunderlich wenn man näher drüber nachdenkt: Entweder den Frauen fällt das erst gar nicht so bewusst auf (nur eben auf der unterbewussten Ebene wo gleich mit „nein danke“ abgestempelt wird), oder sie sprechen es einfach nicht an, hinterfragen es nicht, nehmen es hin und schießen ihn (unerfahren, schüchtern, unsicher, hatte letztes Jahr erst seinen ersten Kuss,…)  damit automatisch ab, gemäß dem Motto: „spricht mich nicht an“.

Dieser junge Mann hatte bei mir den Vorteil, dass er schon mal mit einer sehr langen, sympathischen ersten Vorstellungsmail gepunktet hatte, woraus sich ein toller Mailkontakt voller Ehrlichkeit, Wertschätzung und Vertrauen aufgebaut hat. Und das wollt ich wegen seiner ART ZU REDEN sicher nicht einfach so „wegwerfen“. Jedenfalls is es bei mir umgekehrt: Ich sprech es an, WENN es mir WICHTIG ist, weil ich es verstehen will, ergründen will, deshalb frag ich nach. Bei Leuten die mich nicht interessieren, würd ich mir gar nicht erst die „Mühe“ machen, es zu hinterfragen. Das is der Unterschied.

Andere Leute würden wahrscheinlich nichts sagen und sich nur ihren Teil denken, weil sie den anderen nicht „beleidigen“ wollen und/oder vielleicht gar nicht erst wissen, wie sie das überhaupt sagen sollen…

Naja jedenfalls bin ich froh, dass er meine Feststellung gut und mit Fassung aufgenommen hat und wir uns deshalb trotzdem noch ein Kennenlerntreffen ausmachen konnten. Morgen Abend ist es dann so weit. Bin schon gespannt wie sich dann die Puzzlestücke zusammensetzen, wie es dann live ist, wie er riecht, wie seine Mimik, Gestik ist und all das. 🙂 Denn bis jetzt sah ich (gewollt) nur seine „Kuschelfläche“ ohne Gesicht – und die hatte mir seeehr gefallen. ❤

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