Verstehen einer Lebensart

Das Verstehen einer Lebensart oder:  Männer als Dauerthema

Ich habe mich gefunden. Ich stehe zu mir, ich weiß was ich will. Und darin unterstützt mich mein Seelenverwandter.

Diese Aussagen hat er unlängst getätigt (die ich für so wichtig und so wahr halte):

„Ja du bist so – was soll ich dran rummäkeln. Du bist so wie du bist, das macht dich aus.“

„Du lässt dich emotional und körperlich auf Menschen ein.“

„Das was man an dir toll findet, definiert sich dadurch, dass du so bist wie du bist. Du brauchst Menschen, die dich akzeptieren, fördern und fordern, damit du du selbst sein und dich entfalten kannst.“

In Bezug auf meine neueste Bekanntschaft (vom 25.4.2015): „Aber er versteht nicht, dass er, wenn er dich für sich alleine haben will, er dich – und das was ihr habt, kaputt macht. Wenn man das kaputt macht, dann hat man diese Art nicht mehr, die Männer zunächst so toll finden weil du dann nur noch zum Schatten deiner selbst wirst – goldener Käfig, Marionette, diese Schlagwörter sind ja in deiner Vergangenheit oft genug gefallen.“

„Auf der Basis von Monogamie kann man mit dir keine dauerhafte Beziehung aufbauen – ganz gleich wie diese Beziehung aussehen mag. Du bist halt kein monogamer Typ.“

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Leidenschaft und Selbstbeherrschung vertragen sich nicht

Uns Skorpionen wird nachgesagt, wir seien sehr leidenschaftlich. Leidenschaftlich, intensiv, kompromisslos, sind Forscher, Entdecker, die sich in die dunkelsten Ecken wagen – dort wo andere längst wegsehen oder gar nicht erst genauer hinsehen wollen (bzw. können).

Als Kind fand ich alleine schon das Wort toll: Leidenschaft. Was für ein Wort! Es klang spannend, abenteuerlich und nicht alltäglich wenngleich ich mit der eigentlichen Bedeutung ansich noch nicht viel anfangen konnte.

Was tut man aber, wenn man – so wie ich – einen Jungfrau Aszendent hat?

Die Jungfrau steht für Bodenständigkeit, nüchternen Realismus, für Bescheidenheit, Genügsamkeit aber auch für Selbstbeherrschung und Konsequenz.

Der goldene Käfig

Also konsequent Leidenschaftlich? Weit gefehlt.

In meiner ersten Beziehung (natürlich monogam, als Teenie kannte man ja nichts anderes als das klassische Rollenbild von Familie und Gesellschaft) wurde ich daher fortwährend hin- und hergebeutelt zwischen Egoismus und Masochismus. Bin ich egoistisch, und tue das, wo nach mir ist (-> mit anderen rumknutschen und rummachen)? Oder bin ich masochistisch, quäle mich selbst und bin ihm dafür treu? Es war ein vierjähriger Dauerkampf den ich in meinem Inneren gefochten habe. Ich konnte nichts tun außer Unmengen an traurigen, unglücklich-klagenden Gedichte zu produzieren (meistens über Vögel die in einen goldenen Käfig eingesperrt sind) und letztendlich die Wahl haben: Habe ich einen Freund, eine Beziehung oder habe ich keine? Etwas anderes gab es nicht. Jene, mit denen ich darüber sprach, die predigten mir, dass es einfach keine weitere Option gäbe. Ich könne nicht beides haben. Doch das wollte ich nicht hinnehmen. Es musste eine Lösung geben, denn ich wusste: So kann ich nicht mein ganzes Leben weitermachen.

„Wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe*.“ oder: Die Entdeckung der offenen Beziehung

Nach dieser ersten Beziehung, die ich beendete, weil ich nach den vier Jahren nur noch Freundschaft für ihn empfunden hatte, genoss ich 1,5 Jahre meine alte, neugewonnene Freiheit als Single. Das war im Alter von 19 bis 21. Dann bahnte sich meine nächste Beziehung an. Es ging alles sehr schnell und war sehr intensiv. Aber ich war schon reif genug um klar zu sagen: Nein, ich will keine klassische, monogame Beziehung mehr, das ist für mich einfach nicht das Richtige. In dieser Zeit bevor ich Beziehungspartner Nummer zwei kennengelernt hatte, entdeckte ich den Swingerclub und erfuhr das Konzept der „offenen Ehe“. Na bitte! Es gibt ja doch eine dritte Möglichkeit und eben nicht nur schwarz oder weiß! 🙂 Also sagte ich zu meinem Angebeteten von Anfang an, dass ich eine offene Beziehung führen möchte. Er war zwar überrascht und meinte, sowas hatte er noch nie, aber ja, er würde es probieren.

Abwechslungsreiche Kost

Und es ging auch soweit gut. Ich hatte meine Freiheit aber gleichzeitig auch eine Beziehung – einen Beziehungspartner, der an meiner Seite ist, zu mir steht, mit dem ich mir eine gemeinsame Zukunft aufbauen kann. Bezüglich dieser Freiheit ging es mir nicht darum, jede Woche mit einem anderen in die Kiste zu hüpfen. Nein, es ging mir darum, prinzipiell zu „dürfen“ ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen – falls sich dann doch mal auf einer Party oder so ein Flirt mit Potential zum Rumknutschen ergibt. Wie es um die Chemie zwischen zwei Menschen steht, hatte ich auch schon früh erfahren. Deshalb wusste ich: Wir sind auch nur Tiere. Das Neue (neuer Geruch, neue Haut, andere Kusstechnik) ist halt immer noch spannend, aufregend und bietet eine Abwechslung zum Alltag. Denn auch wenn man noch so gerne ein Schnitzel isst – jeden Tag willste auch keines aufgetischt bekommen – die Abwechslung macht’s.

Die Entdeckung der Mono-Amorie

Dass es Polyamorie gibt, das hatte ich um 2007 das erste Mal erfahren. Ich konnte mir darunter nichts vorstellen, weil das nicht meine Welt war. Polyamorie bedeutet, mehrere Menschen gleichzeitig (und gleichwertig) zu lieben. Das konnte ich nicht wirklich nachvollziehen – schon gar nicht, als mir dann der erste polyamore Mensch mit dem ich da drüber sprach erklärte, dass er deshalb trotzdem nicht mit allen die er liebt auch Sex habe. Das verwirrte mich dann nur noch mehr. War also nicht mein Konzept. Ich nahm es mal als gegeben hin.

In den letzten 2-3 Jahren tauchte das Wort vermehrt auf. Ich entdeckte sogar eigene Workshops und Austauschgruppen dafür. Und dann, im Jahr 2014 war es dann, wo ich mit einem Typen aus Websingles schrieb der meinte, es gäbe viele „Schubladen“ die man hat, mehr als nur die bloße Kathegorisierung in hetero- homo- und bisexuell. (Ich glaub er war auch polyamor.) Also machte ich mir Gedanken darüber, was denn meine Schubladen wären und kam dank ihm zu der Erkenntnis: Ich bin bisexuell, polygam aber monoamor. Soll heißen: Ich steh auf beide Geschlechter gleichermaßen, habe mit mehreren Menschen intimeren Körperkontakt aber mein Herz gehört nur einer Person. So was das schon immer – seit meiner ersten Beziehung. Emotional war ich meinem Beziehungspartner immer treu und loyal.

Und das ist meiner Ansicht nach genau das, was (zumeist sind es die) Männer immer wieder betonen nachdem sie fremdgegangen sind. „Es war doch nur Sex. Es hat nichts zu bedeuten, ich liebe meine Partnerin.“ Weil genau das konnte ich auch. Ich glaube, es sind viel mehr Menschen polygam und mono-amor als sie es sich eingestehen wollen. Sie sind oft zu sehr gefangen in alten, konservativen Denkmustern. Aber hinzu kommt ja dann noch (leider) die Sache mit der Eifersucht

Die Sache mit der Eifersucht

Viele Menschen (und da meine ich wirklich sowohl Männer als auch Frauen) nehmen sich einfach das Recht heraus, hinterrucks was mit anderen zu haben (weil sie die Abwechslung suchen, weil daheim nichts mehr mit dem Partner läuft, weil, weil, weil…) aber sie selbst sind dann eifersüchtig und zu Tode gekränkt, falls der andere das genau so macht und sie dann drauf kommen. Sowas find ich scheiße. Hinterrucks fremdgehen ist das Letzte – egal aus welchem Grund es getan wurde. Ich bin für ehrliches, offenes An- und Aussprechen – BEVOR was passiert – sonst brauch’ ich erst gar keine Beziehung führen.

Vertrauen

Wegen dem Eifersuchtsthema kann ich kein allgemeines Patentrezept anbieten. Ich kann nur für mich sprechen, dass das bei mir und meinen offenen Beziehungen ansich kein Thema war. Im Gegenteil: Gerade bei Partner Nummer zwei hatte es mich total angeturnt, wenn ich sah, dass er vor meinen Augen eine andere durchvögelt oder mir von seinen Erlebnissen nach der Arbeit erzählt hat. Ich fand es geil. Und ich denke das hat nur funktioniert, weil das nötige Vertrauen da war. Vertrauen in die Tatsache, dass ich seine Nummer eins bin, dass er sich mit MIR eine Zukunft aufbauen will. Mit den anderen ist es eben „nur Sex“ und ich war stolz auf meinen Freund, den ich „herborgen konnte“ und dann sah wie sehr sie es genoss, mit MEINEM Freund (dem „geilen Stecher“) was zu haben.

Im Jahr 2015

Angekommen im Jahr 2015 habe ich nun mit meinen inzwischen 30 Jahren endlich komplett zu mir gefunden. So toll meine letzte Beziehung auch war (die war sogar freiwillig monogam – ich fühlte mich von ihm verstanden und angenommen, wertgeschätzt, es war Harmonie pur, wie haben in den 1,5 Jahren nie gestritten und alles sachlich, offen und ehrlich angesprochen und ausdiskutiert) so dankbar bin ich heute dafür, dass es so gekommen war, dass sie nun vorbei ist (auch wenn es im ersten Monat nach der Trennung voll schwer für mich war – weil sie aus heiterem Himmel gekommen war) und ich es diese Sache noch gebraucht hat um letztendlich ganz zu mir selbst zu finden und vor allem aber auch zu mir und meinen Bedürfnissen zu stehen.

Ich bin ich und werde mich nicht mehr für jemand anderen verbiegen. Entweder man nimmt mich so wie ich bin, mit all meinen Freiheitsbedürfnissen und meiner polygamen Art oder man sucht/schaut/klickt weiter. Ich bin nicht dazu da um ein Idealbild anderer zu erfüllen, sondern es geht um mich und mein Leben. Ich muss glücklich sein, damit ich andere mit diesem Glück anstecken kann.  🙂

* Zitat von Götz W. Werner

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