Was es für mich bedeutet, sexuell aktiv und hochsensibel zu sein

Ich hab im September 2017 erfahren, dass ich hochsensibel bin. Von uns Menschen sind das nur 15-20% aller Personen. Von dem her: Ja ich bin „anders“. Ich wusste zwar schon immer, dass ich „die Einzelkämpferin“ irgendwie anders bin, doch nun hab ich endlich auch eine Bezeichnung für dieses „Anderssein“ erhalten.

Was mich (bzw. „uns Hochsensible HSP“) nun von den restlichen 80% unterscheidet? Unter anderem die Wahrnehmung: Wir nehmen die Welt differenzierter wahr. Warum? Weil wir viel mehr Sinneseindrücke bewusst wahrnehmen als andere. Jeder Mensch hat gewisse „Filter“ eingebaut, was er so von der Umwelt bewusst wahrnimmt. Vieles davon wird von „normalen“ Menschen ausgeblendet. Wir Hochsensible hingegen, sind nicht dazu in der Lage so viel auszublenden. Unsere Filter sind quasi „durchlässiger“ als andere und deswegen fühlen wir uns schneller überfordert – was wahrscheinlich auch mit ein Grund war, warum ich im Burnout gelandet war.

Im September wurde mir empfohlen, mir den Podcast von einer Radiosendung anzuhören, wo es um das Thema Hochsensibilität geht. Zu Hause tat ich das dann auch und war entsetzt: Ich konnte in den ersten 10 Minuten der Sendung nur ein imaginäres Häkchen nach dem anderen machen. Es ging nur: Check, check, check, ja und das hab ich auch, check! –> http://www.radiomaria.at/player3.php?s=15764

Hier einige mitgeschriebene Stichwörter die alle auf mich zufreffen:

*) je feinfühliger ein Mensch ist, desto mehr Reize dringen ins Bewusstsein
*) Folgen: frühere Erschöpfung und weniger belastbar
*) Neigung zum Perfektionismus
*) Schwierigkeit einen Beruf und eine Berufung zu finden da viele Interessen
zumeist künstlerische Talente
*) Fähigkeit mit Menschen zu arbeiten aber Schwierigkeiten haben sich festzulegen

*) ZU viel bedenken und ZERdenken
*) Hochsensible Menschen erwarten zu viel von anderen Menschen
*) Kritik – zu kritisch
*) Zeit für Ausnahmen gönnen – schwierig zu lernen wann man eine Pause braucht
*) Gefühle werden mit einer tieferen Intensität wahrgenommen
*) man weint öfter, weil man leichter berührbar ist
*) die Spiegelneuronen sind SEHR ausgeprägt
*) sehr zu Mitleid und sehr zu Anteilnahme fähig, tun sich schwer sich abzugrenzen
*) be- und verurteilen zu negativen Gefühlen
*) Gefühle teilweise als Feinde betrachten

*) Hochsensible Menschen beschäftigen sich viel mit sich selbst (viel nachdenken und grübeln)
*) erbarmungslos über sich selbst reflektieren
*) Sinnkrisen
*) Reizüberflutung -> Rückzug
*) viel lesen, alleine reisen – Hauptsache irgendwie Rückzug
*) feines Gespür für Stimmungen
*) mit einem Gegenüber wohlfühlen, das durch das Leben herausgefordert wurde zum nachdenken
*) neigen zur (übertriebenen) Sorge
*) haben das Gefühl etwas zu verpassen

Wen das Thema Hochsensibilität näher interessiert, der kann sich in diverse Fachliteratur einlesen. Ich persönlich empfehle von Sylvia Harke „Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet – die 100 häufigsten Fragen und Antworten“

Worum es mir heute geht, ist meinen persönlichen Zugang – als Hochsensible – zur Sexualität zu beleuchten. Unlängst wurde in einem Hochsensibel Forum von einer Frau die Frage an die Gruppe gestellt:

„Ist es einer HSP überhaupt möglich Liebe und Sex zu trennen? Ich für meinen Teil kann mir eine so intensive körperliche Nähe ohne die dazugehörigen Gefühle tiefer seelischer Nähe und Verbundenheit nicht vorstellen. Es stellt sich mir da, als würde ich meine Seele zusammen mit meiner Würde verkaufen.“ 

Meine Antwort dazu lautet klar JA. Ich führe seit meiner ersten (monogamen) Beziehung in weiterer Folge NUR noch offene Beziehungen, weil ich für mich herausgefunden habe, dass ich polygam und gleichzeitig aber auch monoamor bin.

Ich bin ein großer Berührungsmensch – bei mir läuft vieles über Berührungen ab – ich lerne Menschen über Berührungen kennen (eine Art wie sich unter anderem meine Hochsensibilität ausdrückt). Von dem her ist es essentiell für mich auch in einer Beziehung mit anderen Menschen Körperkontakt haben zu „dürfen“ wenn mir danach ist, mein Gegenüber (in seinem/ihren Einverständnis natürlich) zu berühren und bestenfalls auch zu küssen.

Zugegeben, früher konnte ich es besser trennen, aber da hab ich mich körperlich auch noch nicht so gut gespürt (Körperempfinden, Körperwahrnehmung,…) wie in den letzten paar Jahren.

Da ich als „naturgeile“ Skorpion-Frau, ein sehr sexuell-ausgeprägtes Wesen bin, gleicht es schon bald einer Kunst, den Balanceakt zwischen zu viel Nähe und zu wenig Nähe zu finden/haben. Ich brauche immer wieder meine Rückzugsphasen wo ich für mich sein kann aber genau so brauche ich dann auch wieder Nähe und Körperkontakt (welcher mich dann teilweise mal mehr, mal weniger stark erregt).

Eine andere Frau antwortete dann auf die oben gestellte Frage so:
„Früher sicher nicht. Aber heute tue ich mich SEHR LEICHT damit, Liebe und Sex zu trennen. Ich finde, dass (auch) das ein Aspekt ist, der uns HSP’ler auszeichnet. Wenn ich liebe, liebe ich. Ohne Wenn und Aber………. Mit allen Konsequenzen. Und genau deshalb bin ich sehr wohl imstande, zwischen Liebe und „nur“ Sex zu unterscheiden. Eine Einstellung, die ich zwar erst lernen musste. Aber eine, die auch sehr, sehr gesund ist – und die mein Innerstes schützt.“

Mit ihr gehe ich d’accord. Wen ich liebe, den liebe ich (bin eben monoamor). Das ist für mich unumstößlich und entspricht meiner Loyalität (welche übrigens bei Hochensiblen auch besonders stark ausgeprägt ist) zu diesem Menschen. Wenn ich „vögeln“ will, kann ich auch nur Sex haben – ohne tiefere Gefühle dahinter. Ich kann es, ich bin dazu in der Lage, doch hierbei stellt sich in den letzten 2-3 Jahren für mich die Frage, ob ich das überhaupt auch WILL. Denn ich hab gemerkt, One-Night-Stands können einerseits zwar sehr geil sein, andererseits auch sehr „einsam“. Ich betitelte diese Einsamkeit mal mit „da verhungert bei mir die Seele“. Deshalb mag ich ja Freundschaft-Plus so, deswegen bevorzuge ich Freundschaft-Plus so. Weil diese mit Vertrauen, Respekt und Wertschätzung einher geht. Da weiß man (im Normalfall) was man am anderen hat.

Wie ich mit meiner Sexualität umgehe: Bewusster, sinnlicher, feiner.
Nach wie vor offen (doch gewiss nicht für alles und jeden) und respektvoll, wertschätzend. Einfach schnell mal geil vögeln is bei mir nicht mehr Thema. Bei mir haben sich neue, tantrische Seiten aufgetan, die ich weiter entdecken, ausbauen und verfeinern möchte. Es ist, als hätte ich eine neue Brille aufgesetzt bekommen, wo ich die Welt (und auch die Welt der Sexualität) nun mit ganz anderen Augen wahrnehmen kann… Schwer zu erklären. Jedenfalls ist es gut, eine rohe, abgestumpfte Seite des Sex (siehe 95% aller Pornos) kennengelernt zu haben, um nun die Weichheit und Feinheit einzelner Berührungen und anderer Facetten besser und intensiver genießen zu können.

 

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