„Weißt du eigentlich, wie wunderschön du bist?“

Es gibt Menschen, die regen einen einfach nur auf. Es bedarf nur einer Kleinigkeit und schon könnte man explodieren. Und dann gibt es Menschen, mit denen läuft von Anfang an alles glatt. Keine Missverständnisse, kein Drama, keine (zwischenmenschlichen) „Spielchen“ und auch keine Abwertung auf Grund einer Sache (wie z.B. Altersunterschied, sexuelle Orientierung, religiöse Einstellung oder dergleichen). Man ist einfach ein Mensch, der einem anderen Menschen gegenüber sitzt. Ein Mensch, der einfach angenommen wird so wie er ist – ohne Wenn und Aber. Und auch ein Mensch, der sein Gegenüber auch genau so nehmen kann. Weil da eine gewisse (unerklärliche) Vertrautheit und Verbundenheit vorherrscht, selbst wenn man sich noch gar nicht lange kennt. Sie ist einfach da, Punkt.

Und so war das neulich bei IHM und mir. Er, 21 Jahre ich 32. Er hat mich angeschrieben und noch am selben Tag haben wir um Skype telefoniert um uns schließlich kurzerhand am nächsten Tag auf Blindmeeting-Basis zu treffen. Er war pünktlich am vereinbarten Treffpunkt und was ich sah gefiel mir. Etwa 185 groß, schlank, dunkelbraune Haare und eine etwas „nerdig“ aussehende Frisur. Dass er aktuell noch eine Zahnspange trägt, das wusste ich schon von ihm – störte mich aber kein bisschen. Wir hatten uns zum Spazierengehen verabredet, was wir dann auch so gemacht haben.

Aufmerksame Blicke

Auf der Donauinsel entlang, zeigte ich ihm meinen Lieblingsplatz wo wir dann auch eine Zeit lang verweilten. Ich hatte meine Jacke auf der Wiese ausgebreitet und wir setzten uns beide drauf. Er setzte sich gegenüber von mir hin und sah mich interessiert und aufmerksam während unseres Gesprächs an. Das war kein unangenehmes Starren oder notgeiles Verschlingen mit seinem Blick, sondern einfach offen, direkt und wertschätzend. Sowas war ich gar nicht mehr (von jemandem, den ich grad neu kennenlerne) gewohnt. Entweder man saß irgendwo auf einer Bank oder Wiese nebeneinander und schaut auf’s Wasser, wo man sich hin und wieder doch auch Blicke zuwirft. Oder man spaziert sowieso und sieht demnach geradeaus. So einen ernsthaften Blick hatte ich schon lange nicht mehr erfahren – und ich gebe zu, es machte mich verlegen, sodass ich seinen Blicken nicht immer Stand halten konnte. Für mich war er ein Phänomen.

Aber nicht nur das. Es war für mich genau so eine faszinierende Feststellung, dass all die Narben die er vom früheren Ritzen auf Unterarm und an den Beinen hatte (er trug eine kurze Hose), ihn in meinen Augen nicht verunstalteten sondern… ich weiß nicht,… schwer zu beschreiben,… eher für mich schöner machten. Ein Mensch, der eine „perfekte“ Haut aufweisen kann, kann nicht ansatzweise so schön sein, wie ich ihn (als Gesamtbild) an diesem Tag, in dieser Gesprächssituation empfunden habe. Und ich meine wirklich empfunden. Es war, als hätte ich seine Aura fühlen können, die Schönheit dieser Aura. Es war, als sehe ich ihn nicht nur äußerlich sondern innerlich – welch schöner Mensch er doch ist. Dafür musste er nicht etwa was bestimmtes sagen oder tun, nein, es war ein Gefühl und ein wunder schöner Gesamteindruck.

Deshalb konnte ich nicht anders, als ihm nach unserer zarten Küsserei zu sagen, wie wunderschön ich ihn finde und dass er ein wundervoller Mensch ist. Da ihn dieses Kompliment irgendwie zu überfordern schien, antwortete er schnell mit „ich find‘ dich auch toll“. Das Treffen dauerte gute 4,5 Stunden und bestand aus hauptsächlich kuscheln, knutschen, streicheln und umarmen. War voll schön. *.* Ich fühlte mich danach, als seien meine „Batterien“ randvoll aufgeladen und selbst heute, zwei Tage später empfinde ich eine enorme innerliche Ruhe (die ich in den letzten Monaten lange vermisst hatte). Er hat enorm dazu beigetragen, dass ich mich ausgeglichener fühle und das Gefühl habe, ein Stück mehr in meine Mitte zurückgekehrt zu sein.

Im Skype hab ich ihm dann nach unserem Treffen das Lied von Sarah Connor geschickt „Wie schön du bist“ https://www.youtube.com/watch?v=9YrBF4l1HvU

Ich seh dich mit all deinen Farben
und all deinen Narben
hinter den Mauern, ja ich seh dich
lass dir nichts sagen, nein lass dir nichts sagen
weißt du denn gar nicht, wie schön du bist?

Es kam mir so oft während dem Treffen in den Sinn und es ist, als würde sie mir mit dem Lied aus der Seele singen, so wie ich ihn empfinde.

Vertrautheit und Verbundenheit

Es kann ein Anfang sein. Ein Anfang von einer tollen, wunderschönen, wertschätzenden (Kuschel-)Freundschaft. Der Grundstein dafür wurde bei dem Treffen gelegt. Und laut Skype Nachgespräch habe ich bei ihm einen auch sehr einprägsamen, positiven Eindruck hinterlassen. Er würde so viel fühlen, was er gar nicht in Worte packen könne, meinte er. Und trotzdem – oder gerade deshalb, will er den körperlichen Aspekt (bis auf umarmen) künftig weglassen. Weil er Angst hat, sich in mich zu verlieben. Das kann ich sehr gut nachvollziehen und auch respektieren.

Meine Gefühle für ihn gehen in Richtung vollste menschliche Wertschätzung und Seelenverwandtschaft. Mein Herz gehört jedoch jemand anderem und das ist auch gut und richtig so. Da ist meinerseits kein „Nachtrauern“ von wegen „schade, dass das jetzt so ist“, sondern nein, mein Herz hat sich seinen Platz erkoren und das ist nun mal nicht an der Seite dieses jungen Mannes. Und dennoch soll das, was ich für ihn empfinde nicht weniger wert sein, im Gegenteil – diese Verbindung die da mit ihm besteht empfinde ich von höchstem Gut – als „Nadel im Heuhaufen“-Situation. Vertrautheit und Verbundenheit – nur eben auf einer nicht amourösen Ebene.

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