Flirttipps, Frauentypen und deren Wahrheitsgehalt ODER: Die Jägerin als „Eso-Abenteuerin“

Neulich im Buchladen… da war eine Bücherkiste mit ausrangierten Büchern zur freien Entnahme und da war auch das Buch „Countdown zum Glück – so finden Sie die richtige Frau“ dabei. Nein, kein Buch von Frauen für Frauen, sondern ein Buch für die männlichen Exemplare da draußen mit diversen Flirttipps.

Weil’s gratis war, hab ich es mitgenommen – kann ja nicht schaden, zu erfahren, was da ein Mann (in dem Fall Jan van Amstel) so über uns Frauen schreibt. Die ersten 29 Seiten waren ernüchternd. Oberflächliches Bla Bla. Ich hatte schon befürchtet, es würde so weitergehen, aber dann blätterte ich vor, las Folgendes und fand mich doch tatsächlich auch darin wieder:

Wie Frauen flirten

[…] Frauen lieben das Schau-her-schau-weg-Spiel noch viel mehr als wir Männer. […] Je öfter sie dieses Spielchen spielt, desto mehr Interesse hat Sie an Ihnen. […] Sobald sie Sie bei einem dieser Blickkontakte auch noch ganz offen anlächelt, ist es so weit: Sie läd sie ein, sie anzusprechen. (Seite 157 und 158)

Verräterische (Hand-) Zeichen

Eine Frau, die flirten will, kann ihre Hände nicht stillhalten. Sobald sie anfängt, mit den Fingern in ihren Haaren herumzuspielen, ihre Kleidung zurechtzurücken, sich den Nacken zu massieren […] signalisiert sie damit nur eines: „Sieh mich an!“ […] Nicht umsonst geben Frauen für Frisör und Haarpflegeprodukte aus. (Seite 159)

Näher und näher

Eine Frau, die Sie gerne besser kennen lernen möchte, wird Ihnen beim Flirten wie zufällig immer näher kommen. Gut möglich, dass sie sich zu Ihnen lehnt, während Sie etwas sagt und dabei noch so leise spricht, dass Sie auch zu ihr näher rücken müssen. Wenn sich ein Tisch zwischen Ihnen befindet, wird sie ihr Glas oder irgendeinen anderen Gegenstand zu Ihnen hinschieben und dort damit herumspielen. […] Hier gilt: Ladys first! Lassen Sie immer die Frau das Tempo bestimmen, in dem Sie sich näherkommen […]. Solange Ihre Flirtpartnerin noch einen gewissen Abstand wahrt und darauf achtet, dass Sie sich ja nicht zufällig berühren, sollten Sie lieber zurückhaltend bleiben – denn sobald sie sich von Ihnen bedrängt fühlt, jagen Sie sie in die Flucht. (Seite 161 und 162)

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Besonders bei der Ladys-first-Sache bin ich ganz beim Autor. Wahrscheinlich steh ich deswegen auch auf schüchterne, nerdige, unerfahrene Typen, weil ich einfach gerne das Tempo bestimme und bei diesen weniger „Angst“ haben muss, dass sie sich unangemessen und notgeil verhalten.

Ich hab mir neulich sagen lassen, dass es zwei Arten von Menschen gibt: Jene, die vorsichtig und abwartend sind, ehe sie zum Körperkontakt übergehen können. Bei diesen Menschen MUSS einfach das Vertrauen vorher passen um sich auf die körperliche Ebene einlassen zu können.

Und die zweite Art von Mensch sind jene, die sich erst einmal Berührung brauchen um die Chemie abzuchecken ob es passt oder nicht. Einhängen (= unterhaken), händchenhalten, umarmen das reicht mir schon, aber bitte nur eine Kleinigkeit! Ich bin ein Berührungsmensch, ich muss fühlen. Ich gehöre somit klar zum letzteren Typ aber hüte sich der, der nicht auf irgendeine Andeutung von mir wartet sondern einfach gleich losgrapscht oder mich niederknutscht. Der wird von mir als notgeil abgestempelt und der Ofen ist aus. Tschüss, vergiss es, Schmusekatze vergrault. Deshalb gilt in meinem Falle: lieber mal noch länger die Finger still halten, als vorschnell davonzupreschen.

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Aber gut, weiter zum Buch, denn da gab’s noch mehr interessante Passagen über uns, das weibliche Geschlecht:

Flirtstile

[…] Je nachdem ob eine Frau recht schüchtern oder sehr selbstbewusst ist, hat sie ihre ganz eigene Art. […] hängt das Flirtverhalten einer Frau auch davon ab, was für ein Typ sie ist: Businessfrau, Abenteuerin, Prinzessin, Esoterikerin, Hausmütterchen oder Girlie. (Seite 168)

Und als er dann die bestimmten Typen anführte, fand ich mich klar und deutlich in zwei Kategorien wieder: Abenteuerin und Esoterikerin. Ja, ihr habt richtig gelesen, Esoterikerin. Warum? Darum:

Abenteuerinnen

Mit Abenteuerinnen zu flirten ist gar nicht so einfach: Sie sind beim Flirten eher zurückhaltend. Aber nicht weil sie grundsätzlich schüchtern wären, sondern weil sie lieber ehrlich und direkt sind. Eine Abenteuerin spielt viel weniger Spielchen als die übrigen Frauentypen – denn wenn sie jemanden kennenlernen möchte, dann tut sie das einfach. Sehr schnell weiß sie, ob sie an jemandem interessiert ist und wenn ja, kommt sie schnell zur Sache – nämlich zu der Frage, ob derjenige sie ebenfalls sympathisch findet. Diese direkte Art macht es für viele Männer einfacher, mit der Abenteuerin zu flirten oder sie gleich näher kennenzulernen. Wer allerdings gerne flirtet, wird vielleicht enttäuscht sein, wenn er mit all seinen Künsten bei der Frau einfach nicht die gewünschten Reaktionen hervorruft. (Seite 172)

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Die Abenteuerin ist ein ganz ausgefallener Typ Frau – aber nicht der Paradiesvogel im Hühnerstall […]. So ungebunden sie auch leben, so loyal sind sie einmal, wenn sie den Mann für’s Leben gefunden haben. […] Teamgeist ist neben ihrer Loyalität zum Partner eine der großen Stärken der meisten Abenteuerinnen – in Extremsituationen erfährt man eben sehr schnell, wie wertvoll verlässliche Partner sind. Es gibt auch immer wieder glückliche Partnerschaften mit Männern, die den größten Teil des Jahres in den trauten vier Wänden verbringen – so seltsam das auch klingen mag. Schließlich kehren die allermeisten Abenteuerinnen immer wieder gerne nach Hause zurück – und sei es nur, um ihre nächste Reise vorzubereiten. Das Zuhause ist daher ein wichtiger Ort der Abenteuerin. Wartet dort noch ein geliebter Mensch, der das Heimkommen schöner macht, ist sie glücklicher als jemals zuvor. Denn auch die selbstständigste Frau der Welt wünscht sich ab und zu festen Halt im Leben – und eine starke Schulter zum Anlehnen. (Seite 67 und 69) […] Allerdings wünschen sie sich einen starken Partner, der genau so viel aushält wie sie selbst. (Seite 70)

… werden wir uns wiedersehen?

Tja, eines muss ganz offen gesagt werden: So interessant und verlässlich eine Partnerschaft mit einer Abenteuerin auch sein mag, so schwierig ist es, erst einmal so weit zu kommen. Sie kennenlernen stellt kein Problem dar […] aber sie wiederzusehen, obwohl man sie kaum kennt…. das kann viel Geduld erfordern. […] Man braucht schon extrem gute Nerven, wenn man alle Eskapaden einer richtigen Abenteuerin unbeschadet überstehen will. Wer sich also in eine Abenteuerin verliebt, sollte sich darüber im Klaren sein auf was er sich einlässt. […] Sie ist unglücklich wenn sie sich nicht in der Natur bewegen kann. […] in langem Rock und Stöckelschuhen fühlt sich die typische Abenteuerin […] völlig deplaziert. Die Abenteuerin kann ihre Leidenschaft auch mit einem „normalen“ Leben mit einer Familie vereinbaren. Trotzdem wird sie immer eine recht unkonventionelle Frau bleiben. (Seite 70 und 71)

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[…] Obwohl die typische Abenteuerin nicht unbedingt davon ausgeht, dass ihr Mann für’s Leben bei jedem ihrer Abenteuer dabei ist, erwartet sie eines auf jeden Fall: Verständnis für ihre Leidenschaft. Wer sie nicht so akzeptiert wie sie ist, der hat in ihrem Leben keinen Platz.

So unkonventionell wie die Abenteuerin selbst ist auch das Leben mit ihr. Ihr bedeuten ihre Unternehmungen enorm viel, ganz gleich, ob sie Tage oder Monate dauern. Deswegen braucht sie unbedingt einen Mann, der sie so leben lässt, wie es ihren Vorstellungen entspricht. Wer versucht, sie in ein „normales“ Leben zu zwängen, macht sie damit todunglücklich und unberechenbar – eines Tages hängt vielleicht ein Zettel im Bad: „Bin in die Anden geflogen, komme nächstes Jahr wieder. Vielleicht.“ Oder die Partnerschaft ist genau so schnell vorbei wie sie angefangen hat. (Seite 72)

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Esoterikerinnen
(traut euch, dran bleiben! Es klingt schlimmer als es ist – finde ich als “ Betroffene“ zumindest)

Im Laufe der Zeit entstehen immer wieder neue Frauentypen. Einer, der sich in den letzten Jahren immer weiter verbreitet hat, ist die Esoterikerin. Charakteristisch ist für sie: die ständige Suche nach persönlicher Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung, Natürlich versuchen wir alle, Männer wie Frauen in gewisser weise uns und unsere Wünsche und Pläne zu verwirklichen. Bei der Esoterikerin nimmt die Beschäftigung mit sich selbst allerdings so ausgeprägte Züge an, dass diese jedem Hobby den Rang abläuft. Ganz nebenbei ist sie immer auf der Suche nach dem tieferen Sinn des Lebens, und die Erde, die Natur, und alle ihre Mitgeschöpfe liegen ihr sehr am Herzen. (Seite 73)

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Esoterikerinnen führen gerne tiefsinnige Gespräche, mit denen ihr meist umfangreiches psychologisches Wissen zum Vorschein kommt. Das Schöne an ihnen ist, dass sie sehr verständnisvoll sind und sich gerne die Zeit nehmen, auf jeden Gesprächspartner voll und ganz einzugehen. Allerdings führt das manchmal auch zu unerbetenen Ratschlägen, wie man sein Leben verbessern könnte. Auch wenn sie manchem damit auf die Nerven fallen, sie meinen es immer nur gut! (Seite 74)

Esoterikerinnen sind von Haus aus sehr sensibel – und beim Flirten besonders. Sie möchten sich schon beim ersten Flirt lieber von den inneren Qualitäten eines Mannes überzeugen als von seinem dick aufgetragenen Charme. […] Das Wichtigste für Esoterikerinnen is, ob man denn überhaupt in jeder Hinsicht zusammenpasst. Ein Flirt mit einer Esoterikerin kann daher schnell zu tiefsinnigen Gesprächen über das Leben, das Universum und den ganzen Rest führen. Wer sowieso gerne bei einem Gläschen Wein ins Philosophieren kommt, für den ist so ein Flirt natürlich ein wahrer Genuss. Wer es allerdings mit den kommunikativen Fähigkeiten nicht so hat, der sollte das schnell ändern, wenn er eine Esoterikerin kennenlernen will.

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Mit „normalen“ Mitteln und Flirttricks allein kommt man bei dieser Art Frau nicht weit – vielmehr ist Substanz gefragt. Esoterikerinnen kennen nämlich alle Tricks und wissen auch über Körpersprache bescheid. Beim Flirten setzen sie dieses Wissen nur in geringem Maße in die Tat um: Sie benutzen es leider lieber, um ihr gegenüber zu analysieren. (Seite 172 und 173)

Die Liebe gehört neben der Selbstfindung zum Wichtigsten im Leben der Esoterikerin. […] Esoterikerinnen sind dazu bereit, sich aktiv um die Beziehung zu kümmern und dafür zu sorgen, dass sie stabil und harmonisch verläuft. […] Harmonie ist für die Esoterikerin in jeder Hinsicht sehr wichtig, Sie achtet auf ein gutes Verhältnis zu Freunden, Nachbarn und Kollegen und pflegt dies am liebsten mit kleinen Aufmerksamkeiten. […] Esoterikerinnen mögen helle, freundliche Räume die eine ruhige Atmosphäre ausstrahlen. […] Esoterikerinnen wissen Qualität und die schönen Dinge des Lebens normalerweise sehr zu schätzen. (Seite 75) […] Einer der Vorzüge von Esoterikerinnen besteht darin, dass sie normalerweise besonders herzliche Menschen sind. (Seite 76)

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Auch interessante Vorträge und kulturelle Veranstaltungen besucht die Esoterikerin oft und gerne. Wer sich gerne ein gutes Buch empfehlen lassen will, ist bei ihr an der richtigen Adresse. Nur lesen sollte er es dann schon, denn sie wird ihn sicher später nach seiner Meinung fragen. (Seite 76)

Falls Sie gerne eine Familie gründen möchten, liegen Sie mit der Esoterikerin ganz richtig. Sie mag Kinder und gibt sich alle Mühe, sie verständnis- und liebevoll zu erziehen. Außerdem ist sie so tierlieb, dass man schnell einen kleinen Privatzoo zu Hause hat, wenn man nicht aufpasst. In ihrem Herzen ist Platz für alle Lebewesen. Von einer Esoterikerin werden immer wieder neue Impulse ausgehen, die das Zusammenleben noch inniger, sinnlicher und harmonischer machen sollen. (Seite 76 und 77)

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Eine Ursache für Konflikte besteht darin, dass sie von anderen meist genau so viel erwartet, wie von sich selbst. Wenn sie also daran arbeitet, sich und die Beziehungen zu ihren Mitmenschen zu verbessern, dann sollen alle anderen das doch bitteschön auch machen. Die Esoterikerin findet an sich selbst immer wieder etwas zu vervollständigen (und zu kritisieren!). Fehlendes Engagement in dieser Richtung wird von ihr schnell als ein Mangel an Liebe interpretiert. Denn sie gibt sich ja auch immer alle Mühe die Partnerschaft zu verbessern! […] Und sie hat bestimmt ein Dutzend Bücher gelesen, die sie genau darin bestärken. Am besten eignet man sich so früh wie möglich das nötige psychologische und rhetorische Wissen an damit man im Ernstfall gewappnet ist! (Seiten 77-79)

Sie erwartet sich von Mann an ihrer Seite unbedingt Aufgeschlossenheit und ökologisches Bewusstsein. Mit jemandem, der leere Dosen und Zigarettenschachteln in die Wiese wirft, eine Benzinschleuder fährt und sich nur von Fastfood ernährt, hält sie es nicht lange aus.

Bitte wer ist der Mann, und warum kann der wirklich so gut Frauentypen einschätzen?! Aber der kann sich wohl echt was auf sein Studium einbilden. Der hat nämlich laut erster Seite im Buch Psychologie und Soziologie studiert. Forschungsschwerpunkte: Interkulturelle Kommunikation und menschliche Sexualität. Gratuliere, Herr Jan van Amstel, gut gemacht.

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