Blind Meetings und ihre Folgen

ODER: Küssen oder nicht küssen, das ist hier die Frage

Unlängst habe ich Blind Meetings für mich entdeckt. Wenngleich ich früher keinesfalls von solchen angetan war, so empfinde ich sie in der letzten Zeit als immer mehr reizvoller. Grund: Man bekommt das Gesamtpaket auf einmal. Keine vorherige Selektion bezüglich Aussehen, sondern wenn man sich gut beim Schreiben und beim Telefonieren über Skype versteht (ich gebe zu, die Stimme ist für mich doch SEHR ausschlaggebend), gleich treffen – ohne ein Bild des Gegenübers – und sich überraschen lassen.

Achtung Spoileralarm!

Was meine Meinung diesbezüglich geändert hat? Ein kürzlich stattgefundenes Skype-Telefonat mit einem, der darauf bestanden hatte, mir doch vorab ein Foto von sich zu schicken – nur für alle Fälle. Und meine Reaktion nach Betrachtung dieses Fotos von ihm war dann ernüchternd. Er sprach mich auf diesem optisch nicht an, sah zu brav und bieder aus und ich überlegte es mir daraufhin mit dem Kennenlern-Treffen anders. Ich fühlte mich richtig gespoilert. Ich war deshalb dann frustriert und erkannte in weiterer Folge, eine ganz neue Seite an mir: Die gönnerhafte Seite, die gerne über ein oder zwei optische Makel hinweg sieht, wenn einfach die Chemie und die Ausstrahlung vor Ort stimmt.

Die Definition macht den Unterschied

Warum ich es Blind Meeting nenne und nicht Blind Date? Weil für mich die Definition eines „Dates“ ist, dass man tendenziell amouröse Absichten hat – und ein „Meeting“ – also ein Treffen, wesentlich unverfänglicher ist, weil es sich da ja erstmal um ein erstes Kennenlernen handelt – nicht mehr, und nicht weniger.

 

Blind Meeting 1

Gestern hab ich einen Typen in Linz getroffen und wir haben uns geküsst. Fazit: Ganz nett aber für potentielle zukünftige Treffen nur als Bekannter zum plaudern.

Blind Meeting 2

Heute hab ich auch wen getroffen. Einen 1986er. Diesmal in Wien. Der hat mir optisch und vom Wesen schon wesentlich mehr zugesagt (weil blondes schulternlanges Haar ❤ und Skorpionkollege). Dennoch hab ich IHN nicht geküsst. Die Geschichte dazu ist zu lang und gespickt mit reihenweise privaten und persönlichen Details aus seinem und meinem Leben. Aber Fakt ist, er ist mir nicht egal. Wenn es so wär, wär es einfacher: Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber so, bin ich nun ins Grübeln gekommen und hab keinen Plan wie ich mit ihm weiterverfahren soll. Ich würd' ihn voll gern küssen, aber bei ihm fehlt mir durch das ganze emotionale Hin und Her, das wir während des Treffens hatten, das notwendige Vertrauen um seine Lippen meine berühren zu lassen um dann meinen Mund aufzumachen und seine Zunge meine erkunden zu lassen. Und an dieser Stelle zeigt sich wieder mal, wie wichtig (mir) Entspannung und Vertrauen sind. Oder: Wie sehr man mit Worten Situationen zerreden und gar zerstören kann. Ich hab zwischenzeitlich sogar geweint, weil das mit ihm alles so konfus war.

Das Ganze endete, mit den Worten "fick dich" seinerseits – mehr im Spaß gmeint, doch empfand ich sie in dem Moment, in dem ich ihm (aus psychologischer Sicht) einen Spiegel vorgehalten hab, als unpassend und respektlos. Er brachte mich dann noch zurück zum Bahnhof, begleitete mich am Bahnsteig und wartete, bis mein Zug gekommen war. Wir sprachen uns ein wenig aus, umarmten uns, aber allzu lang hielt er die Umarmungen nicht durch; er wirkte, als seien sie ihm zu viel, zu intensiv. Das war auch ein Grund, warum ich ihn nicht küssen konnte. Er konnte mir noch nicht genug vertrauen um sich voll und ganz auf meine Zärtlichkeiten durch längere, herzliche Umarmungen einzulassen und deshalb konnte ich mich auch lediglich auf ein Bussi auf den Mund einlassen – alles andere wär für mich in dem Moment einer knutsch-Vergewaltigung gleichgekommen. Aber zum Glück respektierte er da meine Grenze. Ich denk, ich werd das Ganze mal überschlafen und dann weiter schauen, was die nächste Zeit so mitsich bringt. Er meinte jedenfalls, ich solle mir dafür ruhig Zeit lassen.

Nachtrag Mitte Oktober 2016: Wenngleich das Treffen mit ihm so chaotisch verlaufen war, habe ich ihm doch auf seinem Profil einen "Echtheits-Check-Eintrag" hinterlassen. (Dieser dient anderen Usern dazu, zu sehen, dass es die Person hinter dem Profil wirklich gibt und wie die Person so drauf ist indem man ein paar nette, beschreibende Worte zu ihm/ihr verfasst.) Doch von ihm, von seiner Seite kam nichts mehr zurück. Gar nichts, kein Danke, kein umgekehrter Eintrag, einfach Funkstille. Okay, dann hat sich das auch erübrigt…

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3 Gedanken zu “Blind Meetings und ihre Folgen

  1. Blind Meetings haben zugegeben ihren Reiz. Küssen spielt dabei eine untergeordnete Rolle und klarerweise kann es zu Enttäuschungen kommen.
    1. Sie warnte mich im Vorfeld schon vor Berührungen, die über Hände schütteln hinausgingen. Macht natürlich neugierig. Ein schöner Nachmittag und ein schöner Abend mit langen und intelligenten Gesprächen. Signale eindeutig grün, trotzdem keine Einladung, keine weiteren Treffen, nicht einmal für weitere Gespräche……
    2. Sie war schöner als erwartet. Schöner Abend mit Einladung zur Fortsetzung, nach einem Drink im Bett. Weitere folgten, aber Beziehung wurde keine daraus.
    3. Sie war nicht unbedingt der „Hammer“ und es blieb beim ersten Mal bei intelligenten Gesprächen, aber doch bei einer gewissen Anziehung. Beim 2. Mal Signale sehr deutlich grün und nach einem Spaziergang Einladung bis ins Bett. Sexuell mehr als explosiv. Viele Fortsetzungen, aber auch keine dauerhafte Beziehung erwünscht.
    Schluss: Blind oder nicht ist nicht entscheidend.

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