Diesmal im Bus ODER: Auch Männer sind uns Frauen manchmal ein Rätsel

bus-77188_960_720

Der Nachteil einer nicht-Smartphonenutzerin: Man fragt ewig lang herum, bis man jemanden findet, der einem sagen kann wo man hin soll. Gestern war das wieder der Fall. Ich hab etwa acht Menschen angesprochen, doch niemand konnte mir sagen, wo genau in Wien beim Schottentor der Bus 40A wegfährt. Ich wurde kreuz und quer geschickt, einige hatten sogar ihr Smartphone gezückt, aber irgendwie kam immer nur als Antwort „Ja, hier müsste er eigentlich wegfahren. Hm… Schauen Sie mal da und da hin…“

Nach gefühlten 20 Minuten war dann ein etwa 35 jähriger Typ so lieb, den Standort mittels der genauen Straßenbezeichnung, das auf Google-Maps zu erfragen und ich erhielt endlich meine Antwort. Ich musste zwei Paralelstraßen durch Häuserblocks durch, dann kam man zu einem kleinen Seitenausgang der U-Bahn (Liechtensteinstraße) wo er dann tatsächlich schon stand. Ich hatte ihn gerade noch erwischt und setzte mich in dem halb-gefüllten Bus mehr unbewusst als bewusst neben einen jungen Mann, der scheinbar irgendwelche Testfragen durchging.

Nichtsahnend wurde ich kurze Zeit später von ihm stotternd angesprochen: „Scht…. Scht…. Schttttt…. Stört das eh nnnnnicht, dass ich ddda dda das eeeesse?“ (er war gerade dabei ein Kornstangerl mit Käse, Salami und Paprikastreifen zu verspeisen.) Ich fand das ur lieb und erwiderte entzückt, dass mir das nichts ausmache. Aber dass ich es sehr nett und höflich finde, dass er nachfragt. Dann wollte ich von ihm wissen, ob er das für die Uni lernt. Er bejahte und erzählte mir, dass er auf die BOKU (Universität für Bodenkultur) gehe. Darauf ich: „Wie toll, das ist jetzt schon das zweite Mal, dass ich von der BOKU was höre, weil ich komme gerade von einer Werbemittelmesse und da haben die von der BOKU Biologisch abbaubare Buttons entwickelt!“ Ich präsentierte ihm stolz mein Musterexemplar aus Maisstärke.

Dann stellte ich mich vor und reichte ihm die Hand. Sehr angenehme Berührung. Er hatte alles in allem (ja, trotz seines Stotterns) eine ruhige, angenehme Ausstrahlung weswegen er mir sympathisch war (und: er erinnerte mich an einen Freund von mir, weshalb ich seine Art auf Anhieb sympathisch fand).

In weiterer Folge erfuhr ich, dass er Lukas heißt und ein 95er Jahrgang ist und bei welcher Busstation er aussteigen würde. Zwischendurch stotterte er auch ein wenig aber ich konnte ehrlich nicht sagen, ob es an der Tatsache lag, dass er tatsächlich einen Sprachfehler hat oder Frauen einfach gegenüber so schüchtern ist, dass er nur da keine klaren Sätze von sich gibt. Ich wollte noch wissen, ob ich ihn eh nicht vom Lernen abhalte und er meinte nur, nein, solange es mich nicht störe, dass er nebenbei immer wieder einen Blick reinwirft, sei alles gut. Aber aus dem „Blick hineinwerfen“ wurde ein permanentes Reinstarren und es kam kein Gespräch mehr zu Stande (wollte mich auch nicht aufdrängen, deshalb hab ich nicht wieder das Gespräch begonnen). Er hatte mich nichtmal gefragt, welcher Jahrgang ich bin. Dennoch hielt ich mir schon meine Visitenkarte bereit, damit ich ihm sie geben kann.

Beim Aussteigen wünschte er mir viel Erfolg noch mit meiner Ausbildung und wäre dahin gewesen, aber ich hab mich trotz der Tatsache, dass es zu keiner weiteren Plauderei mehr gekommen war, aufgerafft und sie ihm gegeben, mit dem Angebot, dass er – wenn er will – wenn sein gerne mit mir was trinken gehen kann, wenn sein Lernstress vorbei ist – ich würde mich freuen. Er nahm sie, stieg aus und war dahin. Er wirkte wie ein zerstreuter Professor, der schon mehr gedanklich in der Uni als sonst wo war. Von dem her konnte ich weder abschätzen, was er davon gehalten hat, noch ob er sich melden wird, geschweige denn ob er sich über das Angebot gefreut hat. Naja, mal schaun… Es war ein Angebot und nun liegt es an ihm, ob er was draus macht oder nicht. (Zugegeben, in seinem Fall war ich von einigen Filmen und Büchern aus meiner Vergangenheit geprägt gewesen, in dem manche Teenie-Jungs so schüchtern waren, dass sie vor Ort/vor einem Mädl so schüchtern waren, dass sie kaum ein Wort – oder eben stotternd – rausbrachten. Von diesen Filmen/Büchern weiß ich, dass es sein kann, dass sie sich nachträglich am liebsten in den A**** beißen würden, weil sie eine Chance hatten und es mit ihrer Schüchternheit vertan haben. Deshalb hab ich ihm die Karte gegeben.)

Aber das Ganze zeigt nun wieder: Egal ob stottern oder andere „Makel“ – mich zieht es immer noch zu den „Nerds“ und „Freaks“ hin. (-:

PS: Es war mir schon lange ein Anliegen, mir eigene Visitenkarten machen zu lassen und im Februar 2016 hab ich mir nun endlich diesen Wunsch erfüllen können. (Denn ins Gespräch kommt man manchmal schnell – aber nicht immer ist ein Stift zur Hand oder ein vorab-handgeschriebenes Zettelchen passend…)

PPS: Nachtrag: Er hat sich nicht gemeldet. Macht nichts, ich lern eh immer wieder wen neuen kennen. Wenn’s passt gut, wenn nicht, dann hab ich es zumindest versucht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s