Bahnfahren ist mein „Tinder“

Wenn andere meinen, Tinder, Lovoo und andere Dating Apps zu brauchen, kann ich nur sagen: Ich gehöre (als nicht-Smartphonebenutzerin) nicht dazu. Für mich sind meine Bahn und U-Bahnfahrten mein „Tinder“. Wurde einmal das Objekt der Begierde anvisualisiert und bauchgefühlsmäßig auserkoren, hab ich immer griffbereit in der Geldbörse ein Zettelchen (zumeist ein alter Fahrschein) worauf ich (natürlich bereits vorbereitet) drauf geschrieben hab: „Hi, würd‘ dich gern kennenlernen! Würd‘ mich freuen wenn du dich meldest.“ Dazu meinen Namen, meine Mailadresse und meine Telefonnummer.

Und dann wird gewartet – steigt mein Gegenüber zuerst aus, oder ich? Falls ich die Jenige bin, dann drücke ich es ihm/ihr beim Aussteigen mit den Worten „für dich“ und einem Lächeln in die Hand. Steigt er/sie zuerst aus, schaue ich, dass ich ihn/sie noch schnell erwische, bevor er/sie zur Tür raus ist. Vorteil dieser Aktion: Ich signalisiere mein Interesse und (wie bei Tinder) nur wenn mein Vis à Vis auch Interesse hat, kommt es zu einem Kontaktaustausch.

Ob ich das oft mache? Je nach Lust und Laune. Seit wann? Seit nun schon bald 10 Jahren. Mein Bauchgefühl ist hierbei mein Navigatior. Ich meine klar, das Aussehen spielt natürlich auch eine Rolle, aber eben nicht nur. Manchmal bekomme ich von meinem Bauchgefühl den Input: Hey, ja der/die! Dem/der musst du ein Zetterl geben! Und manchmal zögert es und sagt doch noch nein, obwohl er/sie mir visuell aufgefallen ist.

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Neulich in der U-Bahn

Mein jüngster „Zetterl-Kontakt“ heißt Stephanie. Sie ist ein 1991er Jahrgang und fiel mir durch geniales optisches Erscheinungsbild auf: Knallrote Dreads, Nasenflinserl (=Nasenstecker), ein Kurzmantel im Leopardenlook, ein grünes Bandana mit weißen Punkten im Haar und bunte Schuhe. Da konnte ich nicht anders, als mit ihr ins selbe Abteil einzusteigen und ihr in den zwei Stationen bis zu meinem Umsteigen ein besonderes Zettelchen zu schreiben: „So bunt, so toll! *.* Ich würde dich als Gesamtkunstwerk bezeichnen. Da ich finde, dass man interessant-aussehende Menschen nicht einfach so vorbeiziehen lassen soll…, vielleicht darf ich dich ja kennenlernen. (-: PS: Bin nicht lesbisch.“

Beim Aussteigen war sie sichtbar überrumpelt, lächelte mich dann jedoch an als ich mich nochmal umdrehte und dann warf sie tatsächlich noch einen Handkuss zu! Uuur lieb! Hat mich ur gfreut. Selbst wenn sie sich nicht gemeldet hätte, hat mir diese kleine Geste schon total viel gegeben.

Aber sie hat sich dann ein paar Stunden später tatsächlich bei mir via Sms gemeldet:
„Liebe Mina! Danke, danke, danke! Das war wohl der schönste Liebesbrief den ich je bekommen habe! (-: Und Respekt an deinen Mut so ‘ne Aktion zu starten. Menschen mit so viel Mut und so einer Entschlossenheit kann auch ich einfach nicht vorbeiziehen lassen! (-: Also bitte lerne mich kennen! Ich würd mich mega freun, mal mit dir einen Kaffee, Tee, Bier oder nach was es dich auch immer gelüstet, trinken zu gehen! (-: Ganz liebe Grüße und ‘ne fette Umarmung!  Stephanie PS: Auch wenn du lesbisch wärst, wäre es mir eine Freude dich kennen zu lernen! (-;“ Ich ließ nach dieser Sms erstmal einen Freundenschrei los. Kommt ja immerhin nicht alle Tage vor, dass sich ein Mädl bei meiner Kennenlern-Aktion meldet. Die Typen springen natürlich viel schneller auf diese Aktion an und fühlen sich geschmeichelt, die Mädels sind zumeist einfach nur irritiert und abgeschreckt (trotz dem PS). Obwohl es für mich nichts anderes ist als bei Tinder – nur eben nicht virtuell.

Diese Woche treffen wir uns, bin schon echt gespannt wie’s wird. (-:

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