Sich nackt zeigen oder: Erfahrungen eines „Nerds“

Heute beziehe ich mich auf den Blogartikel von Classyman40 auf WordPress Ein Auszug seines Artikels:

>> […] Liebestechnisch ging es dann mit meiner ersten großen Liebe weiter, und von da an ging es nur noch bergauf mit mir.

Damals begann ich in den Spiegel zu sehen, mich anzulächeln, mich wundervoll zu finden. Dieses Selbstvertrauen ist mir bis heute geblieben. Diese Erfahrungen haben mich geprägt, ich verabscheue Ungerechtigkeiten, setzte mich für Schwächere ein, bin offen und ehrlich.

Jeder, der mich um Hilfe bittet, und meine Seele dabei ein gutes Gefühl bei diesem Menschen hat, meine Seele von der Seinen berührt wird, dem schenke ich gerne von meiner Lebenszeit.

Wie sagte mal jemand zu mir: “Ich sei der ehrlichste und offenste Mensch, den sie jemals getroffen hat.” Ja, ihr habe ich mich nackt gezeigt, weil sie es verdiente.

Nun sitze ich noch immer hier. Meine Seele lächelt, denn ich bin so in Ordnung, wie ich bin, wie sagt man so schön: “Ich bin mit mir im Reinen.” <<

Mir ist es nun ein Anliegen, darauf als offenen Brief zu antworten.

Lieber Classyman40!

Ich danke dir hiermit für deinen Artikel und für die darin enthaltene Offenheit! Find ich gut, auch mal die Seite eines Mannes zu lesen.

Nun ist es mir ein Bedürfnis, mich ein Stück weit „nackt“ zu zeigen. 

Mein Faible für Nerds hat sich wohl auch aus dem heraus entwickelt, dass ich früher in der Schule selbst eine Außenseiterin war, die noch dazu aus einer kaputten Familie kam. Ich hab zwar keine 25kg zugenommen, trage aber immer noch Übergewicht mit mir herum aus Zeiten, wo ich beschimpft, körperlich und seelisch verletzt wurde. (Es heißt, bei Menschen die eine seel. Verletzung in sich tragen, reagiert der Körper mit Übergewicht als Schutz. „Komme mir nicht zu nah.“ Man grenzt sich nicht damit nicht nur innerlich, sondern auch optisch ab. Nahrung wird als Ersatz für Liebe oder anderes benutzt. Um eine „innere Leere“ zu füllen oder eine seel. Verletzung zu überdecken.) Aber für mich war es ein Segen, dass es – im Vergleich zu dir – für mich schon das Internet gab. Nicht als Fluchtmöglichkeit, sondern als Rettungsanker, mein „Fenster zur Freiheit.“ Von meinem Vater klein gehalten und behandelt wie Aschenputtel die in einem Elfenbeinturm gefangen gehalten wird. Mit 14, 15 Jahren nicht fortgehen dürfen, mich nicht schminken und mir die Haare nicht färben dürfen und keinen Freund haben zu dürfen, war für mich – neben den Schikanen in der Schule – das Schlimmste. Wie soll sich da ein Mädel, das von klein auf „klein gehalten“ wurde, behaupten und Selbstbewusstsein aufbauen?

Deshalb war das Internet für mich DIE LÖSUNG! Dort konnte ich chatten was das Zeug hält, konnte mich entfalten, experimentieren und dort konnten mich die Jungs zuerst vom Charakter her kennenlernen. Alles was vorerst zählte, waren die geschriebenen Worte. Ging das gut, wechselte man ins MSN oder Skype – wo man weiterschrieb und sich hörte. Und wenn das auch gepasst hat, dann hat man sich entweder auf ein Blindmeeting getroffen oder eben Fotos ausgetauscht. Hier konnte/durfte ich ganz ich sein und selbst bestimmen was ich mache und was bzw. wieviel ich von mir zeige (sowohl in puncto Optik als auch in Bezug auf meine Persönlichkeit). Und wenn man sich getroffen hat, dann war es nur ein Kennenlernen. Hat es gepasst, hat man geknutscht, wenn nicht, tja dann lernte ich im Chat einfach wieder wen Neuen kennen.

Ich hab früh damit angefangen mir eine Datingliste zuzulegen. Wen hab ich getroffen und mit wem davon hab ich geknutscht – einfach um den Überblick zu bewahren. Bei über 100 hab ich dann damit aufgehört. Hätt ich mit all denen auch geschlafen, dann wär ich wohl eine Schlampe gewesen – aber es ging mir wirklich nur um’s Knutschen und um Erfahrungen sammeln. Und apropos Erfahrungen sammeln: Hierbei machte ich dann auch die äußerst angenehme und interessante Erfahrung, dass es genug Jungs gab, die meine Figur eigentlich mochten. „Endlich mal kein Hungerhaken…“, „Was zum Anfassen…“ waren da so Kommentare von ihnen – auch das verhalf mir zu mehr Selbstsicherheit.

Während andere Mädels dann von Waschbrettbäuchen und vor Testosteron strotzenden (Macho-)Typen schwärmten, widmete ich mich schon früh jenen, die von anderen kaum bis gar nicht wahrgenommen wurden. Jene, die in einer Gruppe ruhig sind und eher „übersehen“ wurden. Das mag einerseits an der Tatsache gelegen haben, es selbst nur zu gut zu wissen, wie es ist, ein Außenseiter zu sein, andererseits empfand ich viele von ihnen als „ungeschliffene Diamanten“. Wenige Menschen machen sich die Mühe, WIRKLICH hinter die Fassade zu blicken. Sofern man mich lässt, tue ich das nur allzu gerne.

Liebestechnisch widme ich mich (seit ich ungefähr 23 bin), nicht nur gerne Nerds, sondern auch männlichen Jungfrauen über 18. Wenngleich sich viele Männer deswegen fertig machen, ein extremer „Spätstarter“ zu sein, so finde ich doch nichts Verwerfliches daran. Was ich nur nicht mag, ist, sich verkrampft in eine Situation zu begeben, die auf Grund dieser Verkrampfung,Nervosität und vielleicht sogar Verzweiflung mitsich bringt, um es dann „hinter sich gebracht“ zu haben. Die Negativfolgen wären dann: Erst gar keinen hoch zu bekommen, zu früh zu kommen oder so nervös zu sein, dass man einfach nicht mehr Authentisch wirkt und nur noch Blödsinn macht.

„Liebestechnisch ging es dann mit meiner ersten großen Liebe weiter, und von da an ging es nur noch bergauf mit mir.“ Liebe kann vieles, doch manchmal ist Liebe nicht genug. Manchmal kann Liebe tatsächlich helfen, aus einem Teufelskreis rauszukommen. Das ist auch gut und wichtig. Aber sie ist meiner Ansicht nach kein Allheilmittel. Weil die betroffene Person muss auch ihren Teil dazu beitragen damit es zu einer positiven Veränderung kommt.

Und die Sache mit der Ehrlichkeit: Auch hier habe ich schon früh gemerkt, dass ich gerne „Seelenstriptease“ betreibe. Man kann die Wahrheit in verschiedene Gewänder kleiden, aber Wahrheit bleibt Wahrheit – und für das wurde (und werde ich immer noch) geschätzt. „Du bist so frei Schnauze.“, war ein cooles Kompliment an mich. Und auch, dass ich mir meine Ehrlichkeit bewahren solle.

So, soviel von mir dazu. 🙂

Liebe Grüße, Mina

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