„Ich habe einen kleinen Penis“ (Teil 3 von 3)

Donnerstag, 4.12.2014

Das Mail an Alex 23 wbs und was dabei rausgekommen ist

Hallo Alex!

Also ich glaub ich kann dir so viel Ehrlichkeit zumuten, dass ich dir meine Datei von der Übernachtung bei dir unzensiert schicke. Dann kannst du dir selber ein Bild machen wie es mir gegangen ist und was ich mir wo, wann gedacht habe. Und vielleicht hilft es dir ja auch in Bezug auf Selbstreflektion. Ich hab ja gesagt, ich will dir helfen und finde, dass das eine gute Idee ist. Vor allem es is schonungslos, hemmungslos ehrlich.

Sonntag, 30.11.2014

Von gestern auf heute hab ich dann den Alex 23 wbs getroffen und bei ihm übernachtet auf ’nen DVD-Abend. […]

[…] Er hat mir ja gesagt, er erwartet sich gar nichts – außer Ehrlichkeit. Und die kann ich ihm geben. Also werde ich ihm meine Gedanken und meine Eindrucke von der Übernachtung in Form dieser Datei zukommen lassen und dann seh ich eh was er dazu meint…

So, soviel dazu.  Und dann ist mir noch ein Satz untergekommen den ich am 28.2.2008 in meine erste Tagebuchdatei geschrieben hab:

„Sich um andere zu kümmern fällt einem meistens leichter als um sich selbst – wenn man sich dadurch von sich selbst ablenken will oder warum auch immer.“

Dabei musste ich an dich denken. An dich und dein Übergewicht. Ich weiß ja nicht was bei dir der Auslöser/die Ursache dafür ist, aber ich vermute mal – wie meistens – ist es bei dir auch eine emotionale Sache.

Vielleicht hast du auch gerade den Helferdrang um von deinen eigenen Problemen abzulenken… Es is schad drum, weil im Grunde erkenne ich viel Potential in dir. So wie wenn da eine Menge drunter „verschüttet“ ist unter der Fettmasse.

Liebe Grüße, Martina

Ein Akt der Verzweiflung …

Tja und dann hab ich ihn am Abend im Skype erwischt und ihn angeschrieben

[18:55:13] M.: hi, hab dir ein mail geschrieben, lg

[18:55:53] Alex wbs 23: Ja danke. Hab dir dazu eh SMS geschrieben. Trotzdem nochmal. Alles Gute.

[18:56:24] M.: danke. hab es noch nicht gesehen weil das Handy auf lautlos noch im Zimmer oben liegt

Dann hatte ich mir das Handy geholt und nachgeschaut was er geschrieben hat:

„Hallo du. Vielen Dank für deine Antwort und deine Ehrlichkeit und deine Schonungslosigkeit. Auch wenn mich die Realisierung durch deine Worte, dass ich einfach wohl niemals Liebe finden werde gerade in ein sehr großes Loch geworfen hat und… Egal. Du hast ja recht. Ich verstehe deinen Standpunkt. Also würde ich wohl einfach sagen, vielen Dank für alles und leb Wohl. Ich wünsche dir für deine Zukunft wirklich alles Gute.“

[18:57:56] Alex wbs 23: Falls du dazu dann noch was sagen willst, bin paar Minuten hier.

[19:01:42] M.: also ich weiß nicht ob das jetzt eine Trotzreaktion deinerseits is oder ob du einfach dann „keinen sinn in dem kontakt“ mit uns siehst…

[19:02:56] Alex wbs 23: Es ist keine Trotzreaktion. Aber ich kenne mich, ich werde immer versuchen dir „näher“ zu kommen und Freundschaft aufzubauen und so wie du es gesagt hast, möchte ich uns das beiden ersparen.

[19:06:53] Alex wbs 23: Und wie gesagt, ich verstehe alle dein Argumente und du hast in allem Recht. Ich bin wegen nichts das du gesagt hast böse oder sonst irgendetwas.

Nur brauch ich wohl nun auch etwas Ruhe. Habe dir ja gesagt, ich kämpfe lange mit Depressionen. Und deine Ehrlichkeit hat alles was die letzten Monate etwas geändert hat, alles was ich irgendwie verdrängt habe, wieder aufgelöst. Du hast ja Recht – ich werde niemals jemanden auf Dauer Glücklich machen könne. Mein Leben hat kein Happy End. Danke, dass ich dank dir auch zu mir selbst ehrlich sein kann.

[19:08:27] M.: ich hab es möglicherweise aufgewühlt damit du dann damit arbeiten kannst. Aber nicht dass du dann resignierst. Das sollte nicht Sinn und Zweck des Ganzen sein. Andernfalls hätt ich genau so reagiert wie andere und gemeint: „Nö, es hat doch nicht gepasst.“

[19:09:11] M.: Aber sowas is halt nicht produktiv wenn sich das gegenüber weiterentwickeln soll. Und das sollst du, weil wie gesagt, ich erkenne einiges an Potential! Und das schreib ich sicher nicht nur so!

[19:10:21] M.: Du musst dein Innerstes – wie deine Bude „entstauben“.

[19:11:03] M.: Es heißt nicht umsonst: „Wie innen, so außen.“ Ich find bei dir trifft das ziemlich gut zu.

[19:12:50] Alex wbs 23: An was soll ich denn arbeiten? Du hast direkt gesagt, dass ich Dank meiner „Austattung“ alleine schon nie jemanden halten werden kann.

Es war schwer, dass ich mich mit mir einstimme. Das ich mich so akzeptiere und das ich so an Diät und Sport arbeite. Aber wofür denn? Es gibt doch nichts am Ende.

[19:13:24] Alex wbs 23: Ich mache seit Monaten Sport, achte darauf wieviel und was ich esse.

[19:13:31] Alex wbs 23: Aber es bringt doch nichts.

[19:14:45] M.: Nein eh nicht, weil es eine emotionale Sache is und das Körperliche is nur das Resultat.

[19:15:04] M.: Von dem her is es wie wenn man husten mit einem Mittel für Schnupfen behandelt

[19:15:29] M.: man muss an die Ursache ran. und wenn ich das jetzt so schreibe meine ich das keinesfalls abwertend: Ich rate dir zu einer Therapie

[19:15:57] M.: und auch zu einer Methode, die sich The Journey nennt und wo du in dein Innerstes (unbewusstes) schauen kannst.

[19:16:04] M.: aber das bedarf alles mehr Zeit um das auszuführen

[19:16:13] M.: und die willst du scheinbar nicht mit mir nehmen.

[19:16:20] M.: Is auch ok, ich werd dich zu nichts zwingen.

[19:17:01] M.: Es is wie die Sache mit der Hand: Man kann einem die Hand reichen, aber nehmen muss der andere Sie auch. Und selbst dann: Die Schritte muss der Mensch selber gehen, die kann man einen nicht abnehmen und ihn wo hin „schleifen“.

[19:19:44] Alex wbs 23: Ich bin dir wirklich dankbar für deine Worte.

Aber ich bin den Aufwand wirklich nicht wert. Ich werd einfach eines Tages sterben und es wird gut sein. Egal, egal und egal. Ich hab dir nun nicht geschrieben, weil ich raunzen wollte oder mich beschweren. Also dann. Ich werde dich nicht mehr belasten. Habe wohl alles gesagt. Danke nochmals, für deine Ehrlichkeit und die Erkenntnis.

[19:20:05] M.: Du belastest mich nicht.

[19:20:33] M.: Im Gegenteil, ich wollte dir ja wie gesagt die Hand reichen um irgendwie einen Lösungsansatz mit dir zu finden…

[19:21:46] Alex wbs 23: Wofür? Was soll sich den ändern?

Du sagst ich hab Potenzial, sagst aber auch in der Mail, dass es wohl keine für mich geben wird.

[19:22:32] M.: Die eine Sache is eine Art „Behinderung“

[19:22:56] M.: aber nur weil Menschen in manchen Sachen gehandycaped sind, heißt das nicht, dass sie ihr ganzes Leben wegschmeißen und sich umbringen

[19:23:07] M.: sonst gäbe es keine Rollstuhlfahrer z.B.

[19:23:56] M.: Die eine Sache ist ein Fakt der sich nicht leugnen lässt

[19:24:12] M.: und da bringt es auch nichts über das Schicksal zu jammern. Es ist so wie es ist.

[19:24:20] M.: Und damit, mit der Akzeptanz, damit fängt es an

[19:24:24] M.: und damit kann man dann arbeiten

[19:26:35] Alex wbs 23: Ich habe es akzeptiert, sonst hätte ich niemals mit dir so geredet.

Aber wie du sagst, es ist wie es ist.

Mein einziger Wunsch fürs Leben Liebe zu finden kann nichts sein. Ich bin eine jämmerliche Gestalt und jede andere Option ist besser. …. ich möchte aber nicht drüber streiten.

Ich will dass wir zumindest im Guten auseinander gehen…

[19:27:01] M.: Du streitest nicht, du hast nur eine andere Sichtweise als ich.

[19:27:37] M.: Und ja, ich weiß nicht wie es is in deiner Haut zu stecken. Ich hab meine eigene Vergangenheit. Aber ich kann dir von außen neue Sichtweisen einbringen.

[19:28:06] Alex wbs 23: Dann sag mir, wie soll ich auf eine positive Zukunft hoffen können?

[19:30:18] M.: Zuerst mal das Alte aufarbeiten und dann sich zu neuen Ufern aufmachen. Mag sein, dass das jetzt wahnsinnig nach bla-bla geklungen hat, aber überleg mal: Man kann nichts NEUES ergreifen wenn man ALTES nicht loslässt! DA hat man dann keine Hände dafür frei. Darauf will ich hinaus. Deswegen: Therapie.

[19:30:31] M.: Du bist ein toller Mensch! Ehrlich!

[19:30:43] M.: Du hilfst gern anderen? Dann lass dir bitte auch helfen.

[19:33:05] Alex wbs 23: Und an was für einem alten hänge ich?

[19:34:12] M.: Ja das was ich aufgewühlt hab – das Loch -> ein Loch ist ein Mangel an irgendwas das man mit etwas füllen will -> in deinem Fall wahrscheinlich Essen. Und du musst aber reinschauen in das Loch und schauen was die Ursache dafür ist damit es heilen kann.

[19:37:59] Alex wbs 23: Ich esse nicht, wenn es mir beschissen geht. Ich verliere jeden Appetit und esse oft dann Woche nichts. Wie wohl jetzt auch wieder…

Ist es nicht irgendwie verständlich, dass ich mich beschissen fühle wenn eine Person, der ich mein gesamtes Ich vorlege sagt „Der hat Probleme und wir wohl deswegen niemals jemanden finden. Schade, trotz Potential“

Und mein einziger Wunsch fürs Leben war, diese Liebe zu finden?

Entschuldige, wenn ich falsch reagiere…..

Ich weiß wirklich zu schätzen, dass du mir helfen willst. Aber diese gesamte Erfahrung, hat mir nur gezeigt, wie wenig ich eigentlich wert bin.

[19:39:41] Alex wbs 23: Egal.

Ich wollte nicht drüber diskutieren oder dich reinziehen. Ich wollte mich nur verabschieden.

Es war schön dich kennen zu lernen. Alles Gute für deine Zukunft, viel Glück mit deiner Ausbildung.

[19:44:19] M.: Gut, dann kann ich wohl nichts machen. Es is wie es is, auch wenn es schade is…  Die Tür bleibt meinerseits offen, solltest du es dir anders überlegen, du weißt wie du mich erreichst, sei es per mail, tel oder hier.

[19:48:33] Alex wbs 23: Man kann man mir wohl einfach nicht helfen. Ich hätte meinen Gedanken schon längst folgen sollen und mir die Kugel geben sollen. Naja, aber selbst dafür bin ich zu schwach. Aber es ist schön drüber nachzudenken. Wie gesagt, ich weiß dass ich dich an einem Punkt kontaktieren würde, und ich möchte das ersparen. Ich hab deine Nummer nicht mehr, du wirst aber einen Platz in meinem Adressbuch haben. Ich werde nicht so tun, als würde es dich nicht geben. Wie gesagt, es war eine Freude dich kennen zu lernen und würde es nicht eintauschen.

[19:48:45] Alex wbs 23: Also dann bleibt wohl nur noch zu sagen. Tschau tschau.

J. (mein Seelenverwandter) meinte, er hätte in mir eine Hoffnung gesehen, die nicht da ist und schon 15 Schritte weiter gedacht. Und dass ich zu brutal war. Das sei dann – in seinem Fall ein totaler ein Griff ins Klo gewesen. :-/

Martin Fr, dem ich das lesen hab lassen, schrieb auf das hin im Skype:

[20:20:33] martin fr: der arme kerl hat ja schwere depressionen, der braucht DRINGEND eine therapie!!!!

[20:22:01] martin fr: ich hab mir damals noch selber eine therapie gesucht. aber den muss man zwingen, in eine therapie zu gehen, und eine suchen. der ist schon zu fertig, um sich selber noch eine zu suchen

Das was ich da im Skype geschrieben hab, hab ich mit erhöhter Temperatur (war gestern und vorgestern fiebrig) geschrieben und war total unter Zeitstress – weil er ja jeden Moment gleich den Skypechat beenden könnte. Deswegen hab ich noch auf schnell-schnell reingebuttert was geht, aber es war schon zu spät. J. hat gesagt, er hat sich das herausgepickt so wie er es verstehen will und für den Rest hat er dann einfach dicht gemacht und nichts von alle dem danach hätte ihn mehr erreicht. Da hab ich die Sache mit den Depressionen bei ihm wohl unterschätzt. Er hat so stabil gewirkt… :-/

Alex kann von seinem derzeitigen Standpunkt aus nicht begreifen, dass es – wie J. gestern im Skype auch zu mir meinte wegen dieser Sache – auch Frauen gibt, die auf Sex wenig bis gar keinen Wert legen sondern einfach nur befriedigt werden wollen. Einerseits. Andererseits setzt er Liebe mit Sex gleich, was ein totaler Schwachsinn ist. Klar, es gehört für viele dazu, doch eben nicht für alle. Und da sei ich von mir zu sehr auf andere gegangen meinte er. Ich selbst hab das nie so geschrieben dass er never ever die Liebe finden KANN und wird unter den Umständen… – das hat er nur so verstanden. Für ihn gibt es derzeit nur seine Scheuklappen-Sichtweise. )-:

Mein Helfersyndrom hat wieder voll zugeschlagen und nun is er weg, hat mich rausgelöscht aus dem Skype und ich kann nichts mehr machen. Klar, könnte ich ihm noch Sms schreiben, aber viel lieber wäre mir, dass ich seine Eltern kontaktieren könnt’, damit sie wissen, was da grad mit Alex passiert und sie ihm helfen. Nur da hab ich leider keine Möglichkeiten, kenne seine Wohnadresse nicht, es is irgendwo in der Pampa draußen im Bezirk (= Landkreis) Gänserndorf wo man nur mit dem Auto hinkommt. Ja, ich könnte die Polizei zu rufen weil da „Gefahr in Verzug“ vorherrscht (wie es im sozialpädagogischen Fachjargon heißt) aber andererseits hat er auch nicht konkret angegeben sich von heute auf morgen umbringen zu wollen… :-S

Wie es mir damit nun gehe, wollte Jörg dann von mir wissen. Nun ja, ich find es schad einen potentiellen „Schützling“ verloren zu haben aber es tut mir nicht weh und trifft mich auch nicht auf der persönlichen Ebene, weil ich nie einen emotionalen Bezug zu ihm aufgebaut hab. Von dem her kann ich nicht viel mehr dazu sagen. Ich wünsche ihm nur, dass er sein Leben noch in den Griff kriegt und es schafft an sich zu arbeiten. Ich wünsche ihm, dass ihm solch glückliche Umstände widerfahren, damit er – wie auch immer diese dann aussehen werden – zu seiner Therapie kommt und im Nachhinein doch erkennt, was ich mit meinen Worten gemeint habe, die ich ihm als Denkanstoß mitgeben wollte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s