Mehr Freiheit in der Liebe oder: Treue ist auch keine Lösung

Einfach zum Nachdenken

Heute möchte ich einige Gedanken zum Thema Treue/Untreue, Monogamie und offene Beziehungen in Form von Zitaten aufgreifen weil sie mich bewegen und ich finde, dass sie gut geschrieben sind (wenngleich die Zitate nicht von mir stammen).

Treue ist auch keine Lösung: Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe

„Fremdgehen stellt für viele eine der größten vorstellbaren Krisen dar und viele Menschen trennen sich lieber von ihrem Partner als von ihrem Treuekonzept.

Für 90 Prozent aller Partnersuchenden ist Treue eines der wichtigsten Kriterien, doch neun von zehn Männern und drei von vier Frauen waren bereits in einer festen Beziehung untreu. […] Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen: Treue ist die Ausnahme, nicht die Regel. Und: Untreue kann Liebe sein, Treue dagegen lieblose Gewohnheit. Noch nie zuvor waren so viele Ideen zu diesem Thema gleichzeitig verfügbar, und selten gab es eine so große Freiheit, zwischen ihnen zu wählen. Trotzdem sind Partnerschaften nach wie vor fest mit dem Wunsch nach Treue verknüpft.“ (Holger Lendt, Lisa Fischbach; Klappentext von „Treue ist auch keine Lösung“)

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http://www.zeit.de/2012/13/CH-Monogamie

„Und immer geht es um dasselbe. Insbesondere wenn Kinder im Spiel sind, erlahmt die Lust auf den Partner mit den Jahren. Nicht aber der Appetit auf Sex. Und wenn wir auch einige Monate, vielleicht sogar Jahre gut mit unseren Lügen leben können, so kann es das Leben nicht lassen, uns stets aufs Neue herauszufordern.“

„Ich habe viele Beziehungen am Problem falscher Treueerwartungen zerbrechen sehen. Und so frage ich mich heute: Ist es vielleicht gar nicht die Untreue, die Ehen kaputt macht, sondern die unrealistische Erwartung, dass Sex nur innerhalb der Ehe stattfinden soll?“

„Untreue zerstört Vertrauen, zerbricht Hoffnungen, Herzen und Familien. Die entscheidende Frage ist aber nicht, warum wir eigentlich nicht treu sein können. Sondern warum unser Beziehungsideal auf einer Lüge gründet. Die Lüge, dass wir uns immer treu sein werden.“

„Warum halten wir es für normaler, von einer monogamen Kurzzeitbeziehung zur nächsten zu eilen, als außereheliche sexuelle Kontakte in Kauf zu nehmen? Warum halten wir dieses als serielle Monogamie bekannte Muster für tauglicher, als uns vom Dogma der Monogamie zu verabschieden? Ist es vielleicht gar nicht der Partner, der uns betrügt, sondern die Liebe selbst? Zerstört uns also nicht die Untreue, sondern die Treue?“

„Ohne Eifersucht gäbe es keinen Anspruch auf Exklusivität, kein Treueproblem, keine am Küchentisch durchdiskutierten Nächte, keine unversöhnlichen Trennungen. Eifersucht, so Clement, ist ein kulturübergreifender Reflex.“

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http://www.zeit.de/2012/13/CH-Monogamie/seite-2

Heute lassen sich immer mehr Frauen auf Sex ohne Bindung ein

„Dass Frauen ihre Bettgefährten stets vorsichtiger gewählt haben als umgekehrt, weil sie das Risiko der Schwangerschaft trugen, besagt nichts über ihre Lust. […] Heute ist es für Frauen durchaus nicht mehr ausgefallen, sich auf Sex ohne Bindung einzulassen, eine größere Anzahl Sexualpartner zu haben, sich selber zu befriedigen oder sich auf gleichgeschlechtliche Beziehungen einzulassen. Ich kenne Single-Frauen, die mit vielen verschiedenen Männern schlafen und das auch genießen.“

„Unser Wunsch nach einer langjährigen, tiefen Partnerschaft entspricht letztlich der Sehnsucht danach, eine Familie, eine Heimat zu haben. Ein legitimer, ein menschlicher Wunsch. Vielleicht sollten wir einfach anerkennen, dass Sexualität auch eine Art Heimat ist und ein Recht darauf hat, gelebt zu werden. Dass wir uns in unseren individuellen Bedürfnissen finden und nicht nach für uns vorgesehenen Rollen leben müssen. Einfacher werden Beziehungen dadurch nicht. Aber wenn man davon ausgeht, dass jede Beziehung ein Kunstwerk ist, so lohnt es sich, es wenigstens zu versuchen.“

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Ein Gedanke zu “Mehr Freiheit in der Liebe oder: Treue ist auch keine Lösung

  1. Hallo,

    habe den Artikel sehr interessiert gelesen. Faktisch alles richtig ich kann nicht wiedersprechen. Deshalb habe ich vor Jahren als es sich ergab mit meiner Frau ein „Experiment“ gemacht. Nein so bewusst war das nicht, kam einfach so wie es war und wir haben uns locker gemacht. Ich hatte eine eine zeitlang eine Liebelei mit einer Freundin, sie ein paar kleinere Tächtelmächtel. Problem war, das auf Grund von Zeitmanagement Missverständnissen usw. doch Probleme aufkamen und unsere Beziehung fast gescheitert ist. Heute denken wir gern an die Zeit zurück und ich denke unsere Beziehung ist stärker geworden durch die Erfahrungen. Aber was du oben beschreibst ist sehr idealistisch (wenn auch wie gesagt richtig).
    Probleme waren:
    1. Doch temporäre Eifersucht oder Einsamkeit wenn der andere nicht da war und viel zu viele Gedanken.
    2. Schutz, außerhalb der Beziehung nur mit Gummi, finde ich nicht so toll (qualitativ) mit allem drum und dran und ist daher schon fast ein Blocker.
    3. Zeitmanagement- jede Beziehung benötigt Zeit. Wie soll man sich aufteilen zw. Job, Familie, Ehe, Freundin, Haushalt…. ich hätte einen 48 h Tag gebrauchen können.
    4. Kinder sind irritiert und können schon auch mal im Alter von 6 Jahren, das Gefühl haben, was die Eltern machen ist nicht richtig. So früh ist das schon eingeimpft. (Komischerweise mehr bei der Tochter der Freundin als bei unseren Söhnen. Alter gleich.)
    5. die zweite Beziehung war nicht nur Sex. Wir waren schon verliebt.

    P.S. ich habe bei alle dem vergessen, das wichtigste in einer Beziehung ist nicht sexuelle Treue, sondern Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. Ich habe von Anfang an über alles mit meiner Frau geredet und sie mit mir. Also wir haben das offen und ehrlich gelebt.

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