Mein kleines, süßes Geheimnis oder: Erfüllung eines Kindheitstraums

Aus meinem Tagebuch vom 15.5.2011

Es ist Nachmittag. Schon seit Mittag wo ich aufgestanden bin, ist es schon bewölkt, windig und verregnet. Ein verregneter Tag – ärgerlich, hatte ich doch gehofft, dass es heute an meinem letzten Tag in Kroatien noch schön sein würde. Aus dem Wetterbericht war zu entnehmen gewesen, dass die Schlechtwetterfront erst am Mo kommen würde, doch nun war sie da und ich fühlte mich ihr hilflos ausgeliefert. Normalerweise wäre das ja nicht so schlimm, doch in diesem Fall war es für mein Vorhaben sowas von ungünstig.

Gestern hatte ich mir nämlich meinen langjährig gehegten Wunsch erfüllt. Gestern, ja gestern war es endlich so weit gewesen… Schon seit ich klein war und wir damals immer Urlaub bei meinen Großeltern väterlicherseits (in unserem Haus gleich neben deren) machten, war es eine Wunschfantasie gewesen, den Nachbarsjungen Mario zu küssen. Mario war zwei Jahre älter als ich (1982er) und jedes Mal wenn ich dort Urlaub machte, mein heimlicher Schwarm gewesen. Als ich in die Pubertät kam, wurden meine Fantasien immer lebhafter und ich sehnte mich jedes Mal danach, wo ich dort war, dass ich ihn endlich wiedersehen werde und es dieses Mal geschehen würde. Je älter ich wurde, desto mehr versuchte ich mich dazu zu überwinden es ihm irgendwie anzudeuten doch war letztendlich nie mehr als liebäugeln meinerseits drin.

Als ich etwa 15 oder 16 war, war ich mal bei ihnen drüben, da es sich sehr gut getroffen hatte, dass meine Spielkameradin Jelka, seine Schwester, welche ungefähr zwei Jahre jünger ist als ich, mich zu ihnen wiedermal einlud. Dort war dann auch Mario und brachte mir ein Babyschaf zum streicheln hinten vom Stall. DA hätte ich die Chance nutzen sollen, und die Gelegenheit ergreifen, um statt dem Schaf, auch zwischendurch seine Hand zu streicheln und ihm verheißungsvolle Blicke zuzuwerfen. Doch ich traute mich einfach nicht. Es war zum in-den-Arsch-beißen, echt. Ich ärgerte mich über mich selbst und meine Schüchternheit.

Dann war ich einige Jahre nicht mehr in Kroatien, denn meine Ausbildung und meine Ferialjobs hatten nun mal Vorrang.  Als ich gegen 2006 (oder 2007?) wieder dort war, war ich inzwischen schon längst volljährig gewesen. Und auch dieses Mal hatte ich mir vorgenommen, dass ich es dieses Mal endlich irgendwie andeuten wollte. Ich hielt mir sogar schon den passenden Satz parat, dass ich, wenn ich ihn sehe, frage, ob er mit mir spazieren gehen möchte. (Mein Kroatisch ist dermaßen mies, dass ich immer wieder unauffällig meinen Vater nach den einzelnen Wörtern fragen musste, um mir so den gewünschten Satz zusammenzubasteln.) Als ich an seinem Haus vorbei ging um spazieren zu gehen, brachte ich jedoch kein Wort außer einem freundlichen Gruß heraus. Ich ging gut sichtbar auf dem gegenüberliegenden Waldweg vor deren Haus und hoffte einfach dass er nachkommen würde, doch nichts geschah – echt ärgerlich. Wieder eine Chance vertan.

Gestern, als ich seit diesem damaligen Erlebnis wieder spazieren ging, hatte ich die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben gehabt. Mario war seit meiner Ankunft vor drei Tagen weit und breit nicht zu sehen und so war ich eben immer alleine spazieren. Ich hätt‘ irgendwie auch gar nicht mehr damit gerechnet ihn tatsächlich dieses Mal wiederzusehen. Als ich mir gestern ein schönes Plätzchen unter einem großen Nussbaum gefunden hatte, welcher gleich neben einem Weizenfeld stand, widmete ich mich dort meinen Gedanken und Gefühlen und schrieb diese in mein Notizbüchlein. Dort gab es nur mich und die Natur -und ich genoss es sehr für mich zu sein in der angenehm wärmenden Sonne die durch die Zweige durchschien.

Plötzlich raschelte es von weiterer Ferne und Schritte kamen im Gras hörbar näher. Ich drehte mich um, und auf einmal sah ich Mario durch das Gras streifen. (Er hatte sich optisch sehr verändert doch dennoch hatte ich ihn wiedererkannt. Er trug die lockigen dunkelblonden Haare etwas länger, Vollbart und sah ziemlich „verbraucht“ aus.) Er grüßte mich freundlich und meinte so floskelhaft, ob ich wieder mit meinem Vater Urlaub hier mache. Ich nickte. Er sagte was anderes was ich nicht verstand, kam auf mich zu und gab mir die Hand zur Begrüßung. Und da war es nun wieder, dieses Schweigen weil wir uns eben nicht verständigen konnten. Mario konnte so gut wie nicht deutsch (obwohl er es ein wenig in der Schule gelernt hatte) und ich eben so gut wie nichts auf kroatisch (weil es mir mein Vater nie wirklich bei gebracht hatte, da er der Meinung war, ich müsse gescheit deutsch lernen). Er stand vor mir, rauchte seine Zigarette aus und ich saß nach wie vor im Gras unter dem Baum. Ich deutete ihm, dass er sich setzen solle, doch er lehnte ab, und meinte dann sowas in der Richtung wie, er werde dann wieder weiterschauen. Er wandte sich schon wieder mir ab und wollte sich weiter auf den Weg machen, doch da stand ich auf, und umarmte ihn. Er war ganz verblüfft, doch erwiderte er die Umarmung. Es war sehr angenehm. Als wir uns immer noch umarmten, aber dann ansahen, küsste er mich. Juhu! ENDLICH – das was ich mir schon immer gewünscht hatte! 🙂 Voller Verwunderung fragte er mich, wieso DAS und wieso jetzt auf einmal, doch ich konnte ihm keine Antwort geben da hierzu mein Kroatisch eben nicht ausreichte. Dann umarmten und streichelten uns weiter während wir uns küssten – es  war sehr schön alles. Später gingen wir dann zurück zum Baum und machten ein wenig rum. Alles jedoch brav und gesittet mit Kleidung, da er, auch wenn er wollte und es mehrmals sanft versucht hatte, nicht in meine Hose durfte. Nein, das war zu viel, und einfach nicht angemessen für diese Situation. Es war ja seit jeher nur mein Wunsch gewesen ihn zu küssen – aber nicht gleich drauf los zu vögeln. Er sah mir immer ur intensiv in die Augen und konnte scheinbar nach wie vor nicht ganz glauben was da mit uns abging. ^^ Ich mochte seine bläulich-grauen Augen auch wenn er, wie gesagt, optisch sehr „verbraucht“ wirkte (vermutlich durch das Rauchen und sicher auch dadurch, dass er schlichtweg ein einfacher „Bauernjunge“ war der viel am Hof mithelfen musste.) Trotz seiner zwischenzeitlichen Versuche in meine Hose zu gelangen, war er überraschend zärtlich zu mir. Ur schön! Entweder lag das vermutlich daran, dass er meine Zärtlichkeiten einfach genau so erwiderte, weil ich ihm es doch umgekehrt nun auch irgendwie angetan hab, oder weil er generell mehr so der Typ dafür war. (Obwohl ich ihm das echt nicht SO zärtlich und liebevoll zugetraut hätte – vermutlich auch wegen dem „Vorurteil“: Bauer = roher Umgang mit allem.)

Wir verweilten dann etwa 1,5h dort beim Baum, bis er dann meinte, er müsse zurück, käme aber in einer viertel Stunde wieder hier her. Ich brach dann auch auf, brachte meine Scheibsachen zurück und sagte ihm, dass ich mein Handy holen werde weil ich eine Freundin habe, die Kroatisch spricht und dann übersetzen kann. Als ich zurückging, wurde ich dann von meinen Großeltern aufgehalten und sollte einen Sprung bei ihnen vorbeischauen sodass sich meine Rückkehr verzögerte. Statt um 17:15 war ich dann erst um 19:00 wieder dort. Ich hatte ich der Zwischenzeit durch Ksenija (diese besagten Freundin), mir übersetzen lassen, dass ich noch eine Weile brauchen werde und mich melde wenn ich wieder hin kann. Ich schrieb ihm dann per Sms, dass ich von 19:00-20:00 wieder dort sein werde und er kam dann um 19:20 dort hin weil er vorher noch Zigaretten holen war. Mario war nun komplett umgezogen – angefangen vom frisch gewaschenen gestreiften Polo-Shirt, bis hin zu seiner Hose, den Socken und den Schuhen. ^^ Wie lieb. Dann rief ich Ksenija an und bat sie, um Übersetzungshilfe, da ich von ihm wissen wollte was er denn nun genau von mir will – wie er sich alles weitere vorstellt. Doch er äußerte sich nicht konkret darüber vor Ksenija und ich tappte eigentlich im Dunkeln ob er mehr auf was Körperliches aus war, oder ob da seinerseits auch Gefühl dahinter steckte. (Ja, ich weiß, es klingt blöd, aber er wirkte zeitweilig irgendwie doch verliebt und hatte zuvor herumgescherzt mit „i love you“.)

Wir verbrachten dann noch die gute halbe Stunde mit knutschen und rummachen. Zum Schluss verblieben wir dann so, dass ich ihm ein Sms schreiben werde wann ich morgen wieder beim Baum bin. Als ich gehen wollte, meinte er „noch ein Minute“ und ich so zwinkernd „ah du sprichst ja doch deutsch…“ ^^. Aber gut, ich gab ihm die eine Minute in der wir nochmal knutschten und dann, ohne großes weiteres Verabschieden, (was mich schon ein wenig verwunderte, dass er plötzlich losstartete) ging er den einen Weg (ohne sich nochmal nach mir umzudrehen) und ich den längeren Umweg über’s Feld damit es nicht so auffällig war.

Und heute, ja, heute is nun das Wetter echt zum sch***en und ich tigere wie ein Panther im Käfig herum und warte dass die Zeit vergeht und es endlich mal ein bisschen zum Regnen aufhört…

Nachtrag: Ich bin dann um 17:00 raus spazieren und schrieb ihm ein Sms, dass ich von 17:35-20:00 wieder beim Baum sein werde. Ich war auch pünktlich da, doch er kam nicht. Zudem war es nicht regnerisch, aber sehr kühl. Beim Baumstamm unten fand ich zwei Walnüsse. Die musste er da hin gelegt haben! Ur süß! 🙂 Ich steckte die zwei Nüsse ein und wartete weiter. Nachdem er jedoch um 18:18 immer noch nicht da war, schrieb ich ihm dann ein Sms, dass mir kalt is und ich zurückgehe ins Haus. Vorher hatte ich noch einige kleine Äste zusammengesammelt und zu einem großen Pfeil zusammengelegt. Dann steckte ich ihm, gut sichtbar ins Efeu, welches sich stellenweise um den Baumstamm schlang, ein kleines Zetterl (das ich ihm eigentlich beim Abschied geben wollte).  Darauf stand dann (dank Ksenijas Übersetzungshilfe per sms): Hvala sto si mi ispunio moju zelju iz djetinstva. Ja sam cekala skoro 14 godina da te smijem poljubit. (Danke dass du mir meinen Kindheitstraum erfüllt hast. Ich hab ungefähr 14 Jahre darauf gewartet dich küssen zu dürfen.)

Wieder zurück im Haus hab ich ihm dann ein Sms geschrieben, dass ich morgen nach Österreich zurückfahr‘ und dass er zum Baum schauen soll.

Auch wenn ich mich im Nachhinein gefragt hab, warum er nicht gekommen ist, und ich vermute, dass er sich doch in mich verliebt hat und deswegen sich nicht weiteren Gefühlen aussetzen wollte (ja, ich weiß,… romantische Frauengedanken eben ^^) bin ich ihm nicht böse dass er heute nicht aufgetaucht ist. Es ist ohnehin besser so wenn man es so belässt und als schöne kleine Geschichte, die eigentlich aus einem Film stammen könnte, belässt und so in Erinnerung behält. (Ich hab mir immer gewünscht, dass mir auch mal sowas passiert, das es eigentlich nur im Film gibt und dann, eines Tages, wenn man am wenigsten damit rechnet, schreibt das Leben doch selbst die schönsten Geschichten. 🙂 Ein weiterer Grund warum das Jahr 2011 einfach ein tolles, hammermäßiges Jahr für mich ist. 🙂 Tja, und so endet es hier nun an dieser Stelle – das kleine, süße Geheimnis zwischen mir und Mario.

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